Samstagmorgen in einem Café im Berliner Westen. Er muss gleich mal den Schriftsteller Ferdinand von Schirach begrüßen, mit ihm wird er eine Konzertlesung in der Elbphilharmonie veranstalten (26. August). 1979 als Sohn persischer Eltern in den USA geboren, in Hamburg-Bergedorf aufgewachsen: Malakoff Kowalski, der Turbohipster, der Pianopoet. Er hat für Klaus-Lemke-Filme und für Angela-Richter-Theaterinszenierungen Musik gemacht. Sein Album My First Piano war das Kunstwerk, auf das sich zuletzt tout Berlin, jenes Netzwerk aus Schauspielern, Galeristen, Schriftstellern, sonstigen schönen Geistern, einigen konnte. Das Feuilleton griff tief in die Kritikerbegriffe-Mottenkiste ("elegisch", "wunderbar leicht", "traumverloren").

Rührei mit Kartoffeln. Er soll erst mal die exaltierte Garderobe erklären, mit der er stets anzutreffen ist. Die Ärmel seines T-Shirts nähe er eigenhändig um: "Das kannst du nur selbst machen." Klar. Die Prinz-Heinrich-Mütze sei ein Abschiedsgeschenk aus Hamburg. Er möge die strenge, steife Form. "Ich habe zu viel Unruhe in meinem Kopf – ich brauche das strenge Protokoll, in allen Lebensbereichen." Seine Garderobe, eine Art Uniform, sei so gewählt, dass sie in vielen Lebenslagen funktioniere: auf Beerdigungen, im Finanzamt, beim Betreten von Grandhotels.

Seine enorm genau eingestellte, nach vorn gepitchte Sprache – ganz richtig so: Den langweiligen Frühstückern wird hier nicht verziehen, das weiß er. Zur Frage, ob einer wie er ein Amateur oder seriös ausgebildeter Musiker ist: Die Mutter, eine Pianistin – in den Sechzigerjahren studierte sie bei einer Schülerin von Alfred Cortot –, gab dem dreijährigen Malakoff Klavierunterricht. "Ich habe mich immer geweigert, Noten zu lesen und zu schreiben. Das heißt: Alles, was ich heute tue, beruht auf einer ausgebildeten Fähigkeit, zu hören." Hat er gar keine Angst vor schöner Musik? "Ich vergöttere schöne Musik." Schöne Musik, das sei auch Brahms’ 1. Klavierkonzert – gleich zu Beginn gebe es dort Stress, Konflikt, Gemetzel.

These: Seine Musik hat auch eine didaktische Seite, er will uns verklemmten deutschen Spießern beibringen, keine verklemmten deutschen Spießer zu sein. Er schaut glaubwürdig verständnislos über den Frühstückstisch: "Das ist überhaupt nicht meine Intention." Herrlich, kleine Missverständnisse am Frühstückstisch, die bringen es natürlich auch. Er sei von orientalischer, russischer, deutscher Musik beeinflusst. "Genau das, was schön sein mag an meiner Musik, kommt ja aus Deutschland. Es gibt nicht mehr als die Sturm-Sonate von Beethoven, es ist ja nie etwas Schöneres erschaffen worden als die Nachtstücke von Schumann. Trotzdem habe ich das Thema mit dem Deutschsein nicht."

Interessant, die Anwesenheit des Prinz-Heinrich-Mützen-Manns regt zu ernsten und grundsätzlichen Gedanken an. Zur Frage, ob sich Künstler in diesen so politischen Zeiten explizit politisch äußern sollten (siehe die Tweets des Pianisten Igor Levit) oder eben genau nicht: Er denkt exakt so lange nach, wie der Mensch braucht, um einen Zeigefinger auf die Mitte der Stirn zu legen und dort einmal fest hinzudrücken. Natürlich sei er entrüstet, schockiert, todtraurig. Aber: "Als Künstler interessiere ich mich für Klarheit. Politik ist die unklarste Disziplin der Erde – ein Wahnsinn, ich wüsste gar nicht, was ich dazu sagen soll."

Die Künstler, die in der kommenden Stunde das Lokal betreten, setzen sich zu ihm an den Tisch. Der Film Yung des Klaus-Lemke-Schauspielers Henning Gronkowski, in dem junge Berlinerinnen Drogen nehmen und Sex haben, muss übrigens wirklich so toll sein, wie alle sagen. Einige Songs des Soundtracks stammen vom Musiker Malakoff Kowalski.