Das Bistum Magdeburg ist chronisch klamm – Diaspora im Lutherland. In Sachsen-Anhalt liegt der katholische Bevölkerungsanteil bei nur drei Prozent, der Priestermangel macht sich immer stärker bemerkbar. Pfarrgemeinden müssen zusammengelegt werden, die wenigen Geistlichen haben dadurch noch mehr Stress. Eine Negativspirale. Das alte Lied.

Wer aber im Pfarrhaus in Mühlberg an der Elbe anruft, trifft auf Andreas Könitz, der in solche Abgesänge nicht einstimmt. Der 57-jährige ehemalige Gartenbauer übt in der St.-Franziskus-Gemeinde Bad Liebenwerda, zu der Mühlberg gehört, den Beruf des Koordinators aus. Das heißt: Er übernimmt vom Priester, der in diesem Modell nun Kooperator genannt wird, die weltlichen Arbeiten, die nichts mit dem Gottesdienst zu tun haben. Könitz macht die Verwaltungsarbeit, regelt die Finanzen und führt die Pfarrbücher. Und er trifft sich wöchentlich mit dem fünfköpfigen Leitungsgremium, bestehend aus Koordinator, Kooperator, der Gemeindereferentin sowie den Vorsitzenden von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat. Die Mehrheit entscheidet. Das bedeutet einen klaren Autoritätsverlust des Priesters. Nur in liturgischen Dingen ist er noch Herr seines Amtes.

Die Gemeinde St. Franziskus ist eine von zwei Modellprojekten, in denen Laien zukünftig Pfarraufgaben übernehmen. Sie dürfen nach entsprechender Schulung eine Beerdigung zelebrieren oder Wortgottesdienste halten, das "Kirchenrecht gibt das her", sagt Könitz. Dass er gelassener wirkt als Kirchenmitglieder anderswo, liegt daran, dass in seinem Heimatort Mühlberg ein altes Zisterzienserkloster steht, das der Stadt gehört. Ein findiger Ordensmann gewann Ende der Neunzigerjahre den Magdeburger Bischof für die Idee, daraus ein "Ökumenisches Haus der Begegnung und der Stille" zu machen. Der gläserne moderne Anbau mit Tagungsräumen und 30 Betten ist ein architektonisches Schmuckstück und trägt sich mittlerweile finanziell selbst. Um die Seelsorge kümmern sich drei Pater des Claretiner-Ordens, die im Pfarrhaus leben, in dem Könitz sein Büro hat. Sie gründeten hier eine Klosterdependance, um die geistliche Versorgung dieser Gemeinde aufrechtzuerhalten.

"Die kurzen Wege ermöglichen, dass wir auch mal ganz informell und unorthodox Lösungen finden", sagt Könitz. Dass der Priester den weltlichen Leuten so viel Macht überträgt, war vor wenigen Jahren noch undenkbar. Aber auch in der St.-Franziskus-Gemeinde, die sich 60 Kilometer von Süd nach Nord und 35 Kilometer von Ost nach West erstreckt, sind elf Kommunionkinder und fünfzehn Firmlinge zu wenig, um den Kirchenbetrieb in den Teilgemeinden zu erhalten.

Bezüglich des zweiten pastoralen Laien-Modellprojekts im Bistum Magdeburg, der St.-Georg-Gemeinde Hettstedt, klingt Pfarrer Johannes Zülicke von St. Michael in Aschersleben etwas verhaltener. Ein Unterschied: Bei ihm gibt es keine Ordensleute, die helfen könnten. Hier beerdigt schon der Gemeindereferent. Ein pensionierter Geistlicher, ein Kategorialseelsorger und er betreuen einen Gemeindeverbund in einem 30-Kilometer-Radius – mit sieben Kommunionkindern.

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