Im September 1940 stand der britische Luftmarschall Arthur Harris auf dem Dach des britischen Luftfahrtministeriums in London. Beim Anblick der St.-Pauls-Kathedrale inmitten eines von Hermann Görings Luftwaffe angerichteten Flammenmeeres sagte er: "Nun gut, sie säen den Wind." Vor 75 Jahren, im Juli 1943, sollten die Deutschen den Sturm ernten, seinen Feuersturm. Hamburg war die erste große Stadt, die mit solch zielgerichteter Grausamkeit und solcher Gründlichkeit vernichtet wurde.

Das Ziel war "die Zerstörung der deutschen Städte, die Tötung deutscher Arbeiter und die Zerschlagung des zivilisierten gesellschaftlichen Lebens in ganz Deutschland". So wollte Harris, seit 1942 Chef des Royal Air Force Bomber Command, die Moral der Deutschen brechen und ihren Durchhaltewillen zermürben. Sein Befehl: "Sie sollen die alte Hansestadt Hamburg bis auf den Grund zerstören, und zwar im vollen Ausmaß Ihrer Fähigkeiten und Möglichkeiten." Danach wollte er ganz Deutschland "hamburgisieren" – genau so, wie die NS-Propaganda nach der Zerstörung Coventrys durch die Luftwaffe im November 1940 gedroht hatte, das gesamte britische Inselreich zu "coventrisieren".

"Gomorrha" hatte Harris sein Unternehmen genannt, nach 1. Mose 19, 24: "Da ließ der Herr Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorrha und die ganze Gegend und alle Einwohner der Städte." Harris ließ vier Nächte lang Schwefel und Feuer herabregnen: 12.000 Luftminen, 25.000 Sprengbomben, drei Millionen Brandbomben, 80.000 Phosphorbrandbomben und 500 Phosphorkanister warf die alliierte Bomberflotte auf die Stadt.

In Hamburg herrschte Ende Juli 1943 die brütende Hitze der Hundstage. Schon lange hatte es nicht mehr geregnet. Im Zeitraum von zehn Tagen flogen die Engländer vier Nachtangriffe, jeweils mit 700 bis 800 Maschinen: in den Nächten zum 25. Juli, zum 28. Juli und zum 30. Juli; dann noch einmal vom 3. auf den 4. August. Die U. S. Air Force flog am 26. und am 27. Juli zwei Angriffe bei Tag. Die Amerikaner nahmen vor allem das Hamburger und Harburger Hafengebiet ins Visier, während die Briten sich vornehmlich auf die Innenstadt und die Arbeiterwohnviertel stürzten.

Der erste Angriff verheerte die City, die Stadtteile Hoheluft und Eimsbüttel, Altona und die nordwestlichen Vororte. Der dritte traf Harvestehude, Rotherbaum, Eppendorf, Uhlenhorst, Winterhude und Barmbek. Die vierte Attacke verlief glimpflicher, weil ein schweres Gewitter die Angreifer behinderte.

Am schlimmsten war der zweite Angriff am 28. Juli – ein Datum, das sich dem Gedächtnis der Hansestädter buchstäblich eingebrannt hat. Binnen drei Stunden fielen auf jeden Quadratkilometer der südöstlichen Stadtteile Hammerbrook, Hamm und Borgfelde 39 Minen, 803 Sprengbomben und 99.162 Brandbomben. Sie verwandelten Hamburg erst in einen Schmelzofen, dann in ein Totenhaus.

In den orkanartigen Feuerstürmen, die mit Windgeschwindigkeiten von 270 Kilometern pro Stunde durch die Straßen brausten, kamen in dieser Nacht 18.400 Menschen ums Leben – verätzt oder erstickt; verbrannt, verkohlt und verglüht; verschmort, verdampft, verkocht. Auf den Straßen schlug der siedende Asphalt Blasen. Die peitschenden Luftmassen entwurzelten meterdicke Bäume und wirbelten Balken, Planken, Gesimsteile, Dächer durch die Straßen. Die Gluthitze erreichte 800 bis 1000 Grad Celsius. Halb verbrannte Bücher trug der Feuerwind bis in die Gärten von Lübeck. Helmut Schmidt, der damals als junger Luftwaffenoffizier auf einem mecklenburgischen Schießplatz an der Küste Dienst tat, erinnerte sich sechzig Jahre später, dass die Aschewolken aus Hamburg den Himmel über Kühlungsborn verdüsterten: "Ich bin auf gut Glück nach Hamburg gefahren, um meine Eltern, Schwiegereltern usw. zu suchen. Alle waren ausgebombt (wir selbst auch), aber – großes Glück im Unglück! – alle sind am Leben geblieben. Ansonsten aber roch es auf den Straßen nach gebratenem Beefsteak. Ich kannte diesen Geruch brennender Leichen aus einigen Orten in Russland."