Besonders deutsche Hobbyköche schrecken gern Nudeln ab, nachdem sie gekocht wurden. Hinter der fragwürdigen Praxis steckt die Angst vor klebrigen Nudeln. Wenn man die gekochten Nudeln in ein Sieb gießt und ein paar Minuten wartet, verklumpen sie meist zu einem Pasta-Block und lassen sich kaum noch voneinander trennen. Jedoch sind sich alle Experten einig in ihrem Urteil: um Himmels willen, nicht abschrecken!

Die American Chemical Society hat in einem Video die Chemie erklärt, die hinter dem Verklumpen steckt. Der Klebstoff besteht aus Stärke, die sich im Kochwasser angesammelt hat. Profiköche lieben diese Stärkebrühe, im Restaurant verwendet man das Wasser oft für viele Ladungen Nudeln, und man reserviert auch einen Schuss für die Sauce, die sich damit binden lässt. Schüttet man die Pasta ins Sieb, bleibt ein Stärkefilm auf den Nudeln zurück, der später die Sauce besser haften lässt. Wäscht man diesen Film ab, bekommt man glitschige Pasta, die sich nicht so gern mit der Sauce zu einem genussvollen Ganzen verbindet. Und kalt sind die Nudeln außerdem.

Die beste Methode gegen das Verkleben: Sofort nach dem Kochen sollte die Pasta mit Sauce vermischt werden, zumindest mit ein paar Löffeln davon, später kann jeder Esser noch mehr bekommen. Die Sauce haftet perfekt an den dampfenden Nudeln, und nichts klebt. – Eine einzige Ausnahme von dieser Regel existiert: Falls man die Nudeln kalt weiterverarbeiten möchte, etwa für einen Nudelsalat, kann es sinnvoll sein, den Stärkekleber abzuwaschen. Außerdem stoppt das kalte Bad den Garprozess und verhindert, dass die Pasta matschig wird.

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