Die Phalanx steht. Auch der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse hat sich nun eingereiht. Und so wird es am 25. November, wenn die Schweiz über die sogenannte Selbstbestimmungsinitiative abstimmt, wieder mal zum großen Showdown kommen: Alle gegen die SVP.

Es ist wie so oft in den vergangenen Jahren. Die wählerstärkste Partei bringt eine ebenso radikale wie schlampig formulierte Initiative vors Volk, mit der sie eine vermutete Stimmung im Land einfängt.

Mal geht es um kriminelle Ausländer, mal um deutsche Einwanderer oder – wie jetzt – um fremde Richter. Um die Frage, ob das Landesrecht über dem nicht zwingenden Völkerrecht stehen soll. Ob das Volk also die Verfassung beliebig ändern kann, auch wenn damit internationale Verträge verletzt würden. Ausgenommen wären gerade einmal die Wiedereinführung von Folter, Sklaverei oder ein Verfassungsauftrag "Völkermord".

Und wie so oft wird sich in den kommenden Wochen und Monaten die gesamte politische, wirtschaftliche und mediale Elite des Landes in Debatten verwickeln, die keinen der von der SVP beklagten Missstände lösen, sondern nur der Problembewirtschaftung dienen. Mit dem Risiko, dass sich die Schweiz aus einem bewährten internationalen Rechtssystem verabschiedet, das den Kleinen schützt und den Großen bändigt.

Die Schweiz leidet an einer zwanghaften kollektiven Beschäftigung mit SVP-Themen, und das seit über 25 Jahren. Und seit die Partei einige empfindliche Abstimmungs- und Wahlniederlagen einstecken musste, ihre Gegner also merkten, die SVP ist schlagbar, seither hat sich diese Fixierung auf den politischen Gegner weiter verstärkt.

Klar, die neu entfachte Lust am Streit ist erfreulich, und sie traf die erfolgsverwöhnte Partei empfindlich. Aber der Konflikt nährt sich weiterhin aus der Reaktion. Aus dem, was die SVP vorgibt.

Alle gegen die SVP, diese Affiche bindet nicht nur unglaublich viele zeitliche und geistige Ressourcen und verhindert eine Auseinandersetzung mit den tatsächlich drängenden Themen des Landes. Sie entbindet gleichzeitig den Bundesrat, das Parlament, die Parteien und die Zivilgesellschaft davon, sich mit demselben Engagement und mit Kampfeslust anderen, wichtigeren, zukunftsträchtigeren Fragen zu stellen.