Giovane Élber, Pizarros ehemaliger Sturmkollege beim FC Bayern München, erzählt gerne von seiner gemeinsamen Zeit mit dem Peruaner. Er hat eine weitere Erklärung, warum Pizarro immer noch auf höchstem Niveau Fußball spielen kann: "Claudio hatte nie schlimme Verletzungen, weil er nicht richtig in den Zweikampf gegangen ist. Das hat mich angekotzt, weil ein Mittelstürmer in den Zweikampf gehen muss. Er ist ein Fuchs, ein Schlitzohr!" Er selbst habe sich in seiner Karriere alle denkbaren Knochen gebrochen, musste aufhören, weil sein Sprunggelenk nicht mehr mitgemacht habe, erzählt der brasilianische Stürmer der ZEIT .

1999 wurde Pizarro von Werder erstmals verpflichtet. Abgesehen von einem Jahr beim Londoner FC Chelsea und einem Jahr beim 1. FC Köln, spielte er von da an mal bei Bayern, mal bei Werder und entwickelte sich dort zum Publikumsliebling.

Doch wie bei jedem wahren Publikumsliebling sind die Gründe, die mit Fußball an sich nichts zu tun haben, ebenso entscheidend für die Liebe der Fans. Viele männliche Bewunderer stellten sich Pizarros Leben so vor, wie sie selbst gerne leben würden: mit schnellen Autos, schönen Frauen und einer Pferdezucht in Peru; als Latin Lover, der sich nicht immer an die Regeln hält. In Bremen ging "Pizza" mit dem brasilianischen Stürmer Ailton gerne Merengue tanzen, zu seinen Münchner Zeiten wurde ihm nachgesagt, dass er die Raumdeckung auf der Tanzfläche des Nachtclubs P1 intensiver trainierte als auf dem Feld. "Er könnte absolute Weltklasse sein", sagte sein ehemaliger Trainer Felix Magath einmal, "aber manchmal vergeudet er seine großen Fähigkeiten."

Während seiner Zeit bei Bayern ging Pizarro zu seinem Geburtstag mit Élber während der laufenden Saison auf das Oktoberfest, ohne das vorher mit dem Trainer Hitzfeld abzusprechen – im Profifußball ein Unding. Hitzfeld bekam davon Wind und wollte beiden eine saftige Geldstrafe aufbrummen. Élber habe Hitzfeld darauf geantwortet, dass er bitte mit der Strafe bis zum Wochenende warten möge: Wenn die Stürmer schlecht spielten, zahlten sie die Strafe, wenn sie gut spielten, nicht. Der besonnene Erfolgstrainer ging laut Élber auf diesen Deal ein. Am darauffolgenden Wochenende gewann der FC Bayern gegen den VfL Bochum 4:1 – Pizarro und Elber schossen jeweils zwei Tore.

Was wäre eine geeignete Rolle für Pizarro, wenn er seine Karriere beendet? Hitzfeld meint: "Er wäre ein guter Manager, weil er mit Druck umgehen kann, er besitzt Verhandlungsgeschick und versteht etwas von Fußball."

Dieses Geschick müssen Pizarro und sein Agent in den Verhandlungen mit Werder Bremen bewiesen haben. Der Grund für seine Rückkehr dürfte ein Deal sein, von dem sich beide Seiten Vorteile versprechen. Das relativ niedrige Grundgehalt, das sich nach Informationen der ZEIT auf rund 300.000 Euro belaufen dürfte, sollte der Verein durch Trikotverkäufe und Werbeeinnahmen wieder reinbekommen. Sollte Pizarro ein paar Tore vorbereiten oder schießen, darf er sich auf Bonuszahlungen gefasst machen, die ihm seinen Ruhestand versüßen dürften. Wenn er nach dieser Saison überhaupt, wie diese Woche angekündigt, zurücktreten möchte. Der älteste Feldspieler der Bundesliga aller Zeiten spielte übrigens mit dreiundvierzigeinhalb das letzte Mal in der Bundesliga: Klaus Fichtel, er kickte lange Zeit für Werder Bremen.