Wie kann ein Firmenchef seine Mitarbeiter dazu bringen, dass sie sich für ein Elektroauto als Dienstwagen entscheiden? Wer das wissen will, sollte Klaus Baumgärtner fragen. Er ist Chef des Mannheimer Beratungsunternehmens bridgingIT mit mehr als 600 Mitarbeitern. 40 von ihnen fragte er, ob sie ein E-Auto als Dienstwagen fahren würden. Als viele Ja sagten, kaufte Baumgärtner 11 batteriebetriebene Teslas. Die Mitarbeiter waren zufrieden. Mittlerweile gibt es im Fuhrpark seiner Firma 29 teure Teslas und damit "die größte Elektro-Langstrecken-Dienstwagenflotte" Deutschlands, wie zumindest er freudig erzählt.

Baumgärtner ist begeistert von der – immerhin lokal – emissionsfreien Elektromobilität. Seine Firma berät Kunden unter anderem zu Smart Energy und Elektromobilität, mit den Dienstwagen wollte er im eigenen Laden zeigen, dass er es ernst meint. "Unsere Elektroautos sind mittlerweile über drei Millionen Kilometer gefahren, und noch nie ist einer liegen geblieben", sagt er.

Aber selbst Baumgärtner konnte viele Mitarbeiter bisher nicht überzeugen, auf einen Dienst-Tesla umzusteigen. Damit ist er nicht allein: In den deutschen Unternehmen fahren die meisten Mitarbeiter Dienst-Diesel. Weil das schlecht für die Luft ist, versuchen Umweltschützer und nun auch die Bundesregierung, das zu ändern. Und rollen damit eine grundsätzliche Debatte über subventionierte Dienstfahrzeuge auf.

Bisher verlief der Umstieg schleppend, denn die Luxus-E-Autos haben einen Haken: Sie kosten ihren Fahrer viel Geld, selbst als Dienstwagen. Wie für jeden privat genutzten Dienstwagen muss der Fahrer monatlich ein Prozent des Auto-Neupreises versteuern. Bei einem Tesla, der 100.000 Euro kostet, sind das jeden Monat 1000 Euro. Bereits vor zwei Jahren beklagte Baumgärtner das gegenüber dem Grünen-Verkehrsminister Baden-Württembergs, Winfried Hermann, als der sich die Mannheimer Elektroflotte ansah. "Dieses eine Prozent spürt man im Geldbeutel, das ist die große Hürde für Elektroautos, habe ich ihm gesagt, und er hat das verstanden", sagt Baumgärtner.

Trotzdem passierte erst mal nichts, bis völlig unverhofft die neue Bundesregierung einen Halbsatz in ihren Koalitionsvertrag schrieb: "pauschale Dienstwagenbesteuerung von 0,5 Prozent für E-Fahrzeuge". In Baumgärtner löste das freudige Hoffnung aus, denn das hieße, dass sich die monatlichen Kosten für seine Tesla fahrenden Mitarbeiter bald senkten. Wer einen Elektro-Dienstwagen führe, müsste künftig statt eines Prozents nur noch ein halbes Prozent des Preises versteuern. Am Mittwoch wurde das im Bundeskabinett für Fahrzeuge abgesegnet, die in den Jahren 2019 bis 2021 gekauft werden. Dann müssen noch die Länder der Gesetzesänderung zustimmen. Baumgärtner hofft, dass er so schon bald "einen nächsten Schwung an Mitarbeitern" vom E-Dienstwagen überzeugt.

Anders als er glauben viele Umweltschützer nicht daran, dass diese Gesetzesänderung reicht, damit viele wechseln. Aus ihrer Sicht müssten Dienstwagen mit Verbrennermotoren gleichzeitig teurer werden. Dass Dienstwagenfahrer nur auf ein Prozent des Anschaffungspreises monatlich Steuern zahlen, ist aus ihrer Sicht eine unnötige Subvention. Alexander Mahler vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) erklärt das an einem Beispiel: "Wenn Sie von Ihrem Arbeitgeber einen VW Passat als Dienstwagen bekämen, der neu 30.000 Euro kostete, dann müssten Sie monatlich 300 Euro versteuern. Das ist so, als hätten Sie 300 Euro Einkommen mehr pro Monat, auf das Sie Steuern zahlen. Wenn Ihnen aber statt des Dienstwagens die 300 Euro ausgezahlt würden, könnten Sie sich davon niemals einen gleichwertigen Passat leisten." Es gibt zwar eine Alternative zur pauschalen 1-Prozent-Regelung, die Dienstwagenfahrer nutzen können: ein Fahrtenbuch, in dem sie Privatfahrten auflisten. Für diesen aufwendigen Weg entscheidet sich aber in der Regel nur, wer so Steuern spart. Insofern fungiert die 1-Prozent-Regel praktisch als Obergrenze, teurer wird es nicht.