Als Psychopathengarten bezeichnet man eine private Grünanlage, die sich typischerweise auf dem der Straße abgewandten Grundstücksteil eines Einfamilienhauses befindet und die von ihrem Besitzer schrittweise in eine Todeszone verwandelt wurde. Meist fallen in diesem Zusammenhang Wörter wie "pflegeleicht", dabei kann die Errichtung eines Psychopathengartens durchaus aufwendig sein. Als Erstes müssen Bäume niedergesägt werden, weil sie im Sommer die Sonne nehmen und im Herbst ihre Blätter achtlos auf den Boden werfen. Danach werden sämtliche Beete zugekiest, damit dort kein Unkraut mehr durchbricht. Entlang der Grundstücksgrenzen sind nunmehr mannshohe Gabionen zu errichten, um etwas Mauerbau-Atmosphäre zu schaffen. Und dann kommt der Kunstrasen.

Den Werbeprospekt eines niederländischen Herstellers sah ich neulich im Gartencenter: Vorher-nachher-Fotos zeigten Flächen, die vorher halb- und nachher ganz tot wirkten, das aber gleichmäßig in Hellgrün. "Die neue Rasengeneration", hieß es, sei "nicht von echtem Rasen zu unterscheiden". Eine dreiste Lüge. Echter Rasen sieht nun mal echt aus: abgewetzt auf den Laufwegen, moosdurchsetzt im Schatten von Bäumen, leicht gelblich im Hochsommer, voll mit Gänseblümchen oder Kleeblättern. Dort gehen Ameisen spazieren, Käfer, Schnecken und Regenwürmer. Echter Rasen lebt. Echter Rasen sieht nicht aus wie ein Teppich. Echter Rasen ist nicht aus Plastik. Wer den Unterschied sehen will, muss beim Grillen bloß etwas glühende Kohle fallen lassen. Auf Kunstrasen bleibt ein Brandloch. Echter Rasen repariert sich selbst.

Kunststoffabfälle wiederzuverwerten ist ja eine tolle Sache, aber man muss auch die Sinnfrage stellen dürfen. Wer die Menge an Plastik in der Landschaft verringern möchte, sollte sie vielleicht nicht direkt großflächig mit Plastik auslegen. Das ist nämlich nicht nur schlimm. Es sieht auch so aus.