Der Bus ist liegen geblieben. Die Fahrerin versucht ihr Bestes, doch mehr als ein Stottern ringt sie dem Motor nicht mehr ab. Können Frauen also doch keinen Autobus steuern? Die Fahrgäste sind sich da einig. Es ist 1992, das erste Jahr, in dem Frauen bei den Wiener Linien als Lenkerinnen zugelassen sind. Selbst die junge Schriftstellerin Bettina Balàka, die in dem Bus saß, hatte kurz den Gedanken: Vielleicht sei das mit den Frauen hinter dem Steuer keine so gute Idee. Jahrzehnte der Sozialisation wirkten auf heimtückische Weise in ihr nach.

Die Episode erzählt Balàka in ihrem Buch über die Geschichte Österreichs, in dem sie in sechs Texten auf knapp 200 Seiten vieles abdeckt: Erster Weltkrieg, Republiksgründung, Ortstafelstreit und die Geschichte der Frauenbewegung – oft gespickt mit autobiografischen Elementen.

Der stärkste Text ist der erste und längste des Buches, der sich mit bekannten, weniger bekannten und vergessenen Frauen beschäftigt. Mit den Frauen in der Sozialdemokratie, die den Kampf um das Frauenwahlrecht zurückstellten, um zuerst das allgemeine Männerwahlrecht zu erkämpfen (Johanna Dohnal erinnerte ihre Genossen später an diesen Verzicht, als in der Partei über eine Quotenregelung debattiert wurde). Balàka erzählt von Adelheid Popp, die sich 1915 in ihren Erinnerungen Gedanken über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie machte.

Sie berichtet später, in stellenweise herrlich skurrilen Episoden über die Nachwirkungen des Habsburger-Mythos, über merkwürdige Spione in der Steiermark, und sie wundert sich über das seltsame Bedürfnis von Wienern und anderen Touristen, in gewissen Alpenregionen, wie im Ausseer Land, die Tracht anzulegen. Ein unterhaltsames Geschichtsbuch abseits der schweren Standardwerke zum Gedenkjahr 2018.

Bettina Balàka: Kaiser, Krieger, Heldinnen. Exkursionen in die Gegenwart der Vergangenheit;  Haymon Verlag, Innsbruck/ Wien 2018; 192 S., 20,90 €