Nachdem der Theaterdonner verhallt und aus der Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz nun eine Orientierungshilfe für die einzelnen Diözesanbischöfe geworden ist, stellt sich die Frage, was jetzt für die Zulassung von konfessionsverschiedenen Ehepartnern zur Kommunion kirchenrechtlich gilt oder eben nicht gilt.

Das kirchliche Gesetzbuch (CIC) von 1983 sieht in Canon 844 Paragraf 4 ausdrücklich vor: Entweder der einzelne Diözesanbischof oder die Bischofskonferenz können feststellen, dass nicht nur in Fällen von Todesgefahr, sondern auch aufgrund einer anderen schweren Notwendigkeit konfessionsverschiedene Ehepartner aus der evangelischen Kirche die Sakramente der Eucharistie, der Buße und der Krankensalbung empfangen dürfen. Es müssen noch weitere Bedingungen hinzukommen: Sie können einen Spender der eigenen Gemeinschaft nicht erreichen, sie müssen von sich aus darum bitten, sofern sie bezüglich dieser Sakramente den katholischen Glauben bekunden, und sie müssen in rechter Weise disponiert sein.

So klar sich diese Bedingungen auf den ersten Blick anhören, blieb aber lange Zeit umstritten, was denn genau eine schwere geistliche Notwendigkeit sein soll und was an katholischem Mindestglauben hinsichtlich der Eucharistie von nichtkatholischen Christen gefordert werden muss.

Über viele Jahrzehnte hatte daher die Deutsche Bischofskonferenz an verschiedenen Entwürfen zur rechtlichen Klärung dieser Frage gearbeitet, während andere nationale Bischofskonferenzen und Diözesanbischöfe mit römischer Billigung entsprechende Normen schon längst in Kraft gesetzt hatten. Die Zeit schien nun auch hierzulande reif zu sein, forderte Papst Franziskus doch selbst in dieser Frage ein mutiges Voranschreiten und eine Aufwertung der Bischofskonferenzen im Sinne seines Programms der Dezentralisierung, also der Verlagerung der Beschlusskompetenz weg von der römischen Zentrale hin zu den Kirchen vor Ort.

Doch es kam anders: Der Papst ließ nach Einwänden von sieben Diözesanbischöfen und Beratungen an der römischen Kurie zunächst verlauten, diese Handreichung dürfe nicht veröffentlicht werden. Sie sei auch kein Recht der Bischofskonferenz, da deren Entscheidungen per se universal – also auch prägend für die Weltkirche – seien.

Beide Aussagen widersprechen der geltenden Rechtslage und stießen deshalb auf Unverständnis. Erstens kann eine Bischofskonferenz in der fraglichen Angelegenheit sehr wohl eine Entscheidung treffen und publizieren. Zweitens sind ihre Entscheidungen eben nicht universal, sondern binden nur die Bischöfe innerhalb der jeweiligen Bischofskonferenz. Dennoch wurde dem Beschluss der Bischofskonferenz von höchster Stelle die römische Rekognoszierung, das heißt die Unbedenklichkeitsbescheinigung, verweigert. Mit dem Ergebnis, dass dieser Beschluss keine Rechtskraft entfaltet.

Aber kein Drama in so vielen Akten ohne eine überraschende Lösung. Nach einem kernigen Gespräch unter (Kirchen-)Männern zwischen Reinhard Kardinal Marx und dem Papst paraphierte Franziskus eine Note als eine Art Ergebnisprotokoll. So erklärte der Papst sich damit einverstanden, dass die Handreichung nunmehr doch als einfache Orientierungshilfe den einzelnen Diözesanbischöfen zur Verfügung gestellt und auch veröffentlicht werden dürfe.

Es kam, wie es kommen musste: Eine Reihe von Bischöfen veröffentlichte die Orientierungshilfe sofort und legte sie ihren Seelsorgern und Seelsorgerinnen mit Kriterien hin zu einer gereiften Gewissensentscheidung der Gläubigen ans Herz, um daraus folgend die passenden Einzelfallentscheidungen zu ermöglichen. Aus dem Kreis der sieben kritischen Bischöfe positionierte sich bisher nur Erzbischof Ludwig Schick mit einer eigenen Akzentsetzung: Schick fordert, die protestantischen Ehepartner müssten sich zu den sieben Sakramenten und zur hierarchischen Verfasstheit der katholischen Kirche bekennen, um die Eucharistie empfangen zu dürfen. Bei strenger Beachtung dieser Kautelen freilich dürften im Erzbistum Bamberg auch kaum noch Katholiken die Eucharistie empfangen, was aber vielleicht auch den oft unreflektierten Gang vieler Katholiken zur Kommunionbank demaskiert.

Wie gehen die Befürworter der Orientierungshilfe vor? Soweit ersichtlich, nimmt keiner der Bischöfe, die die Orientierungshilfe in ihren Diözesen für das pastorale Handeln empfehlen, Bezug auf einen weiteren Aspekt von Canon 844 Paragraf 4 CIC: die Gesetzgebungskompetenz des einzelnen Diözesanbischofs in dieser Frage. Von daher sind diese bischöflichen Verlautbarungen kirchenrechtlich nicht bindend, weil es sich nachweislich auch gar nicht um kirchenrechtliche Normen handelt, sondern um pastorale Empfehlungen. Und mit denen kann jeder Seelsorger umgehen, wie er mag.

Diese Doppelbödigkeit wird in einem Schreiben von Bischof Karl-Heinz Wiesemann aus Speyer vom 9. Juli an seine Seelsorger und Seelsorgerinnen besonders anschaulich deutlich. Der Bischof führt aus: "Diese pastorale Hilfe lege ich Ihnen hiermit ans Herz. Ich bitte Sie, dass sie als verbindliche Orientierung für die seelsorgerliche Begleitung konfessionsverbindender Ehepaare im Bistum Speyer Beachtung findet."

Wie geht es nun weiter? In den nächsten Wochen und Monaten werden weitere Diözesanbischöfe nach Rücksprache mit ihren diözesanen Räten und bischöflichen Kurien die Orientierungshilfe publizieren. Andere werden – wie Erzbischof Schick – eigene Kriterien entwickeln, nach denen Gläubigen im Einzelfall für eine gereifte Gewissensentscheidung seelsorglich Unterstützung erfahren.

Vielleicht kommen dann auch wieder die Heiligenverehrung und die Anerkennung marianischer Frömmigkeitsformen ins Spiel, wie sie Bischof Stefan Oster von Passau in die Diskussion gebracht hatte. Dabei geht es um theologische Aussagen, die im nahen Umfeld der Wandlung der eucharistischen Gaben von Wein und Brot in den Hochgebeten der Kirche, die der Priester spricht, erwähnt werden.

Auf jeden Fall wird im Land der Reformation, in dem bei allen regionalen Unterschieden eine vergleichbare Situation von konfessionsverschiedenen Ehepaaren vorliegt, ein pastoraler Flickenteppich entstehen, der den betroffenen Gläubigen kaum zu vermitteln sein dürfte.

Vielleicht gibt es aber auch eine positive Entwicklung aus diesem kirchenrechtlich nicht hermetisch eingehegten, wohl aber ökumenisch verminten Terrain: Die Paare, die sich aus dem Glauben intensiv mit der Frage der Kommunion auseinandergesetzt haben, sollten sich nun umso mehr ermutigt sehen, im Sinne christlicher Freiheit gemeinsam zur Eucharistie hinzuzutreten. Hoffentlich werden sie auf Priester, Diakone und pastorale Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen treffen, die diesen Schritt begleiten und diese Paare nach Kräften unterstützen.