Was sehen wir in diesem Hitzesommer? Natürlich verdorbene Ernten auf verdorrten Äckern. Natürlich eine extrafrühe Weinlese. Natürlich halb leere Flüsse. Dazu Menschen mit Schwächeanfällen und Kreislaufzusammenbrüchen. Wir sehen aber auch etwas höchst Unnatürliches: die Erderwärmung bei der Arbeit.

Das muss man so sagen.

Es lädt zu Widerspruch ein aus zwei Richtungen: erstens von jenen, die es nicht wahrhaben wollen ("Da hat der Mensch keinen Einfluss drauf, so etwas gab es immer schon ..."). Zweitens von allen, die über Jahre gleichsam als Faustregel verinnerlicht haben, man könne das Wirken des Klimawandels nur in Trends identifizieren, also in langjährigen Zeitreihen und den subtilen Veränderungen in den Mittelwerten der Statistik – nicht aber bei Einzelereignissen.

Diese Faustregel führte dazu, dass, wann immer bei einem Wetterereignis die Frage aufkam, ob das jetzt konkret der Klimawandel sei, die Antwort lange lautete: "Schwer zu sagen." In der Wissenschaft ist es von "kann sein" bis "hundertprozentig sicher" oft ein verdammt langer Weg. In der gesellschaftlichen Debatte ließ die Schwer-zu-sagen-Faustregel Wetter und Klima lange unverbunden nebeneinanderstehen.

Es ist ja für Fachfremde – seien es Wähler, Abgeordnete oder Minister – nicht unbedingt hilfreich, immer von Klimaprojektionen bis zum Jahr 2100 zu lesen, um auf die konkrete Frage nach diesem Starkregen oder jenem Sturm zu hören: "Schwer zu sagen."

Gut möglich, dass der Sommer 2018 einen Wendepunkt markiert. Weil er eine Phrase zur Erfahrung reifen lässt. Die Phrase lautet, dass wir längst mittendrin stecken im Klimawandel. Die Einsicht, was das bedeuten kann, erschwitzen wir uns gerade.

Und es reift da noch etwas anderes heran, eine neue Forschungsrichtung, die verändern wird, wie wir den Beitrag des Klimas zum Wetter sehen. Sie heißt attribution science, übersetzt: die Wissenschaft von der Zuordnung. Attributionsforscher drehen gewissermaßen die Frage um: Nicht mehr, ob das jetzt der Klimawandel war, sondern ob ein Wetterereignis auch in einer Welt ohne globale Erwärmung aufgetreten sein könnte, lautet sie. Und falls ja, wie (un)wahrscheinlich das wäre. So rechneten Forscher aus Oxford Ende Juli für mehrere Orte Nordeuropas aus, dass die Hitzespitzen dieses Sommers dort durch die globale Erwärmung mehr als doppelt so wahrscheinlich geworden sind.