Es kommt mir manchmal vor, als ginge es hier um ein Atomkraftwerk und nicht um eine Moschee. Seit elf Jahren suche ich nach einem Grundstück – meine Gemeinde, die zur reformorientierten Ahmadiyya-Gemeinschaft gehört, wächst. Zum Freitagsgebet treffen wir uns meistens in einem Wohnzimmer, jede Woche bei jemand anderem. Aber mittlerweile passen wir nicht mehr zwischen Fernseher und Couch.

Wenn ich nach einem Grundstück frage, beginnen die Gespräche meistens ganz nett. Eine Moschee bauen – viele Makler finden das spannend, so etwas haben sie ja nicht jeden Tag. Sobald sich aber herumspricht, was genau entstehen soll, kommen die Vorurteile der Anwohner: Unsere Häuser verlieren an Wert, wir wollen keine Terroristen in der Nachbarschaft. Und Frauen mit Burka auch nicht. Dabei gibt es in meinem Bekanntenkreis niemanden, der Burka trägt. Solche Anfeindungen tun weh. Deutschland ist meine Heimat, ich bin Patriot. Nur eben nicht als Christ, sondern als Muslim. In Pakistan, wo ich geboren wurde, sind unsere Moscheen verboten. Dort betrachtet man uns Ahmadiyya-Muslime als nichtislamisch. Weil wir verfolgt werden, sind meine Familie und ich nach Deutschland geflohen. Ich dachte, hier gelte Religionsfreiheit. Aber als Muslim hat man es schwerer.

Als sich in Erfurt unser Plan herumsprach, begann ein Anwohner Unterschriften gegen uns zu sammeln. Irgendwann machte auch die AfD mit. Später habe ich eine SMS bekommen, ausgerechnet vom Initiator der Petition, in der stand: "Ich gebe auf. Sie waren ein sehr ehrenvoller Gegner." Er hatte es sich anders überlegt. Davor habe ich Respekt.

Ein älterer Herr, den ich wegen seines Grundstücks ansprach, hat sogar einen Brief an den Bürgermeister geschrieben und darum gebeten, dass die Moschee dort gebaut werden darf. Durfte sie aber nicht. Baurecht eben. Auf vielen Grundstücken sind grundsätzlich keine religiösen Gebäude erlaubt.

Dass ich am Ende doch ein Grundstück gefunden habe, war Glück. Die Moschee wird nun in einem Gewerbegebiet gebaut. Mit Gebetsraum und Minarett, acht Meter hoch. Zwölf wären schöner, aber auch so etwas regelt der Bebauungsplan. Einen Muezzin oder Lautsprecher, der zum Gebet ruft, wird es nicht geben. Warum auch? In der Nachbarschaft sind nur ein Reifenhändler, die Feuerwehr und eine Busstation. Und die meisten von uns erinnert sowieso eine App daran, wann sie beten müssen.

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