Eucharistie für Protestanten

Wird der Reformvorschlag der Bischofskonferenz umgesetzt?

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Elf Diözesen haben die Orientierungshilfe, nach der protestantische Partner unter bestimmten Bedingungen die katholische Eucharistie empfangen können, schon umgesetzt. Elf weitere Bischöfe wollen sich noch mit ihren Gremien beraten. Fünf Bistumschefs – aus Köln, Augsburg, Passau, Bamberg und Regensburg – wollen die Orientierungshilfe zumindest momentan nicht umsetzen. Sie gehören zur Gruppe der Kritiker, die sich vor Monaten in einem Brief an den Papst gegen einen einheitlichen Weg der Bischofskonferenz in der Kommunionsfrage ausgesprochen hatten. In Köln sieht man nach dem Kompromiss, wonach jeder Bischof seine eigene Entscheidung treffen kann, "derzeit keinen Handlungsbedarf". In Passau heißt es: Der Text dürfe "auch gut gelesen" werden. Im Übrigen habe der Papst das Papier als "nicht reif" bezeichnet. "Zunächst ändert sich nichts", so sieht es auch das Regensburger Bistum. Es bleibt also dabei: In seinen Nachbarbistümern findet der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Münchner Kardinal Reinhard Marx – einer der Reformbefürworter – kaum Unterstützung für das Papier.

Zwei weitere Kritiker, die Bischöfe von Eichstätt und Görlitz, sind bisher weniger strikt. Sie wollen ebenso wie neun Amtskollegen noch in ihren Gremien über die Konsequenzen beraten. "Da es sich hier um eine wichtige Angelegenheit des Glaubens handelt, braucht eine solche auch für die Seelsorger bedeutende Angelegenheit Zeit und gute Beratung", sagte der Görlitzer Bistumschef Wolfgang Ipolt zu Christ&Welt. Auch Trier, Münster, Berlin und Mainz haben sich noch nicht positioniert. Einige aus dieser Gruppe dürften der Empfehlung aber noch folgen.

Zu den elf Diözesen, die das Papier bereits anwenden wollen, gehören neben München auch die Diözesen von Essen, Paderborn und Erfurt. Wohl kein Bistumschef wählte zur Begründung so persönliche Worte wie der Magdeburger Bischof Gerhard Feige, der lange für die Reform gekämpft hat. Sie mögen das Papier bitte umsetzen, schrieb er an seine Seelsorger. Es sei ihm "ein Herzensanliegen".

Die ungewöhnlichste Reaktion auf dem Kommunionsstreit kam bisher vom neuen Würzburger Bistumschef Franz Jung. Er lud kürzlich alle Ehejubilare seines Bistums zur Kommunion – und meinte nicht nur die Katholiken, sondern auch deren evangelische Partner. "Ein Einzelfall", betonen Jungs Leute. Wie man generell mit der Orientierungshilfe der Bischofskonferenz zum Umgang mit protestantischen Partnern verfahre, müsse noch beraten werden.

Der Dank der Protestanten war Jung aber schon sicher: "Es ist einfach schön, das nach 25 Jahren zu erleben", sagt eine Fränkin, die mit ihrem Mann Silberhochzeit feierte, auf der Bistumsseite im Internet. Sie habe sich wirklich willkommen gefühlt.