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Die ständige Ablenkung stört die Konzentration – vor allem von schwächeren Schülerinnen und Schülern

An Frankreichs Schulen werden also bald Smartphones verboten. Klingt streng? Geht noch strenger: In manchen Schulen in Belgien müssen Kinder und Jugendliche, die mit einem Smartphone erwischt werden, das Gerät bei der Schulleitung abgeben. Und zwar nicht bis zur großen Pause. Sondern bis zum Ende des Halbjahrs.

Was sich drakonisch anhört, ist im Kern richtig. Mittlerweile hat das Smartphone im Leben von Schülerinnen und Schülern ohnehin einen enormen Stellenwert eingenommen. In Deutschland besitzen bereits zwei Drittel der Zehn- bis Elfjährigen ein eigenes Smartphone; bei den 16- bis 18-Jährigen sind es 94 Prozent. Und sie verbringen viel Zeit damit. 85 Prozent der 12- bis 17-Jährigen hängen durchschnittlich drei Stunden pro Tag am Handy, so eine repräsentative Umfrage der Krankenkasse DAK. Hauptzeitfresser: Apps wie Instagram, Snapchat und WhatsApp. 100.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind der Umfrage zufolge süchtig nach sozialen Medien. Da scheint es keine ganz abwegige Maßnahme zu sein, wenigstens die Schule zur handyfreien Zone zu erklären.

Smartphones lassen sich im Unterricht auch sinnvoll einsetzen? Mag sein. In der Realität sieht es so aus: Unter dem Tischpult wird gedaddelt, auf dem Pausenhof sowieso. Gruppen von Teenagern hocken herum und starren auf ihre Displays, um miteinander zu chatten, statt sich einfach "in echt" zu unterhalten. Von Bewegung ganz zu schweigen.

Heimlich hochgeladene Fotos und Videos von Lehrern oder Mitschülern können zudem Cybermobbing Vorschub leisten. Und wie Markenklamotten ist auch das Smartphone längst ein Distinktionsobjekt – wer nicht das neuste, teuerste Modell besitzt, kann in der Schule schnell ausgegrenzt werden.

Vor allem aber stört die ständige Ablenkung durch das Technikspielzeug den Unterricht und die Konzentration. Die London School of Economics fand 2015 in einer Studie heraus, dass ein Verbot von Handys und Smartphones an Schulen in England besonders bei leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern zu einem größeren Lernerfolg führte.

Schade eigentlich, dass hierzulande bislang nur in Bayern ein gesetzliches Handyverbot an Schulen herrscht. Doch selbst dort steht es auf der Kippe – zu groß ist die Angst, die Kinder sonst von der "Digitalisierung" fernzuhalten. Dieses Argument ignoriert, dass die Digitalisierung auch ohne Smartphones an der Schule stattfindet, ja stattfinden soll. Niemand will digitale Analphabeten heranziehen. Aber um das zu verhindern, braucht es an Schulen schlicht eine gute technische Ausstattung mit PCs oder Tablets. Und nicht das private Smartphone.

Von Merlind Theile