Ende Juli rollt ein gutes Dutzend Reisebusse am Übergang Masnaa über die Grenze zwischen Libanon und Syrien. Die Busse an der Spitze der Kolonne sind geschmückt mit syrischen Fähnchen und Bildern von Präsident Baschar al-Assad. Auf syrischer Seite der Grenze steht am Straßenrand ein riesiges Plakat mit dem Bild Assads, daneben in schwungvoller Schrift: "Das siegreiche Syrien heißt Sie willkommen."

An Bord der Busse sind Rückkehrer, syrische Kriegsflüchtlinge, die seit Jahren im Libanon gelebt haben. In Videos des syrischen Staatsfernsehens ist zu sehen, wie Assads Grenzbeamte die Papiere der Ankömmlinge prüfen, dazu kurze Interviews. "Wir sind froh, dass die Terroristen besiegt sind und wir zurück in unsere Heimat können", sagt ein Mann mit grauem Schnauzer in das Mikrofon eines Staatssenders. Reisende neben ihm halten Assad-Poster in den Händen, ein Junge ist in eine syrische Flagge gehüllt. Die Flagge hat noch Falten, wie frisch ausgepackt. Die Gesichter der Rückkehrer sind nicht fröhlich, sondern müde.

Noch sind es nur einige Tausend Menschen, die aus dem Libanon nach Syrien zurückkehren, seit wenigen Wochen fahren alle paar Tage Buskonvois über die Grenze. Aber es soll ein Anfang sein, Libanons Außenminister sagt, bald schon könnten Hunderttausende folgen.

60 Prozent der Syrer sind auf der Flucht

Die meisten von ihnen sind Binnenflüchtlinge, viele leben in Nachbarstaaten*

Quelle: PEW Research Center © ZEIT-GRAFIK

Die Busse von Masnaa sind so etwas wie eine Vorhut: Es ist das erste Mal seit Ausbruch des Krieges, dass Flüchtlinge im großen Stil zurückgebracht werden, und zwar in Bussen des Regimes. Viele haben ein Interesse daran, dass der Test gelingt: die syrische Regierung in Damaskus, Assads wichtigster Verbündeter Russland, natürlich die Nachbarländer, die seit Jahren die Hauptlast der Flucht aus dem umkämpften Syrien tragen. Eine Rückkehr in großem Stil wäre der endgültige Beginn der Nachkriegszeit in Syrien. Und deshalb sind die Busse von Masnaa auch für den Westen wichtig, für die USA, für Frankreich und für Deutschland.

Wo die Rückkehr beginnt

Einer, der zurückkehren will, ist Ahmad G. Der 30-Jährige, der seinen vollen Namen aus Sicherheitsgründen nicht in der Zeitung lesen möchte, floh in den Libanon, nachdem er in Syrien aus der Armee desertiert war. "Ich wollte nicht auf andere Syrer schießen", sagt G. Er hatte Glück, fand Zuflucht in Arsal, einer Kleinstadt im äußersten Nordosten des Libanon. Dort konnte er ein kleines Lebensmittelgeschäft aufbauen, eine Existenz. Dennoch will er jetzt zurück. Weniger aus Hoffnung allerdings denn aus Sorge. Aus Sorge vor der Lage im Libanon. Und aus Sorge vor dem, was Assad im Syrien der Nachkriegszeit vorhat.

Arsal liegt abgeschieden in den Bergen, vom Stadtzentrum aus ist die syrische Grenze über Schotterwege in einer halben Stunde erreichbar. Zu Beginn des Kriegs war das ein Fluchtweg: Mehrere Hunderttausend Menschen kamen hier, abseits der offiziellen Grenzübergänge, in den Libanon. Die meisten von ihnen zogen weiter in andere Teile des Landes, manche blieben in Arsal. Zeitweise lebten hier 90.000 Syrer neben 30.000 Libanesen. Heute sind noch etwa 60.000 Flüchtlinge in der Stadt.