Seit zwei Monaten hatte es praktisch nicht mehr geregnet, die Temperaturen lagen konstant über 30 Grad: Es waren ideale Bedingungen für einen Waldbrand. Und das Feuer kam tatsächlich. Die Lüneburger Heide entzündete sich in der Nähe von Gifhorn, und in den folgenden Tagen brachen weitere Brände aus, bis hinein ins Wendland. Starker Wind fachte bis zu 40 Meter hohe Feuerwände an. Als er plötzlich drehte, schnitt das Feuer fünf Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Unterlüß den Fluchtweg ab. Sie starben in den Flammen.

So geschehen Anfang August 1975. Es war der letzte große Waldbrand in Deutschland. Zehn Tage lang wütete das Feuer, fast 8000 Hektar Wald und Heideland brannten ab. Eine Katastrophe auch nur annähernd ähnlichen Ausmaßes gab es seitdem nicht mehr. Auch die Brände der vergangenen Woche waren vergleichsweise harmlos. Seit Ende der neunziger Jahre brannten im Durchschnitt jährlich weniger als 400 Hektar Wald. Das entspricht 0,003 Prozent der gesamten Waldfläche. Todesfälle oder hohe Sachschäden gab es nicht. Der wirtschaftliche Schaden lag im Mittel knapp unter einer Million Euro im Jahr.

Allerdings gibt es immer wieder einzelne Jahre, in denen ein besonders heißer und trockener Sommer zu einer höheren Zahl an Waldbränden führt. Zuletzt war das 2003 der Fall, und auch dieser Sommer könnte aus der langjährigen Statistik herausstechen. Doch dramatische Brände wie in Griechenland oder Schweden seien "nach menschlichem Ermessen bei uns nicht möglich", sagt Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands. Dem stimmen international erfahrene Experten wie Johann Goldammer zu, der Freiburger Chef des Global Fire Monitoring Center. In Deutschland brechen zwar häufig Waldbrände aus, doch diese werden sehr schnell erkannt und gelöscht. Denn die Forstverwaltungen und Feuerwehren haben aus der Katastrophe von 1975 gelernt.

Bundesweit haben die Feuerwehren ihre Kommandostrukturen entrümpelt, Kommunikation, Kooperation und Früherkennung verbessert, vorbeugend Waldbrand-Einsatzkarten erstellt und geländegängige Allradfahrzeuge mit größeren Wassertanks angeschafft. Damit sie schnell an den Einsatzort gelangen, wurden Waldwege befestigt und Löschwasserteiche angelegt. Bei Aufforstungen wird auf Brandschneisen geachtet, Nadelbaum-Monokulturen werden zu weniger feuergefährdeten Mischwäldern umgestaltet, und bei erhöhter Waldbrandgefahr ist der Feuerwehrflugdienst zur Luftüberwachung im Einsatz.

Die größte Gefahr herrscht fast immer in Brandenburg. Beinahe die Hälfte aller in Deutschland gezählten Waldbrände brechen dort aus. Das Feuer, das Ende vergangener Woche den Verkehr an der Kreuzung von A 9 und Berliner Ring zum Erliegen brachte, war ein typischer Fall. Auch die Explosionen durch alte Munition, welche die Löscharbeiten behinderten, waren typisch. In Brandenburg brennt es besonders häufig auf verlassenen Truppenübungsplätzen, unter deren wild wuchernder Vegetation noch alte Sprengkörper verborgen sind. Im aktuellen Fall musste deshalb ein Löschpanzer herangeschafft werden, die Bundespolizei schickte einen Hubschrauber mit Löschtank. 200 Feuerwehrleute waren im Einsatz, sie konnten den Brand nach zwei Tagen eindämmen.