An einem Freitag Ende Juni trifft die Parteispitze der AfD eine Entscheidung. Künftig, so die Mitglieder des Vorstands, werde man dem "Verein zum Erhalt der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten" verbieten, Logo und Namen der Partei zu verwenden. Bei der Abstimmung gibt es keine Gegenstimme, erzählt ein Teilnehmer. Kurz darauf verschickt die Bundesgeschäftsstelle ein Schreiben an alle Landesverbände, in dem sie über die Details des Vorstandsbeschlusses unterrichtet. Die Distanzierung von dem Verein zeigt: Die Partei ist nervös.

In den vergangenen Jahren unterstützte dieser Verein, kurz "Recht und Freiheit" genannt, die AfD in Wahlkämpfen mit millionenschweren Kampagnen, er ließ im ganzen Land Plakate aufhängen und Zeitschriften in Briefkästen stecken. Sollte sich die AfD dabei mit dem Verein abgesprochen, die Plakatkampagnen und Werbeaktionen koordiniert haben, könnte das als ein Verstoß gegen das Parteiengesetz gelten. Es drohten Strafzahlungen in Millionenhöhe.

Zwar beteuern Vertreter der AfD, nichts mit dem Verein zu tun zu haben. Doch es häufen sich die Hinweise darauf, dass zumindest einzelne hochrangige Parteimitglieder in engem Kontakt zu Vertretern der Unterstützergruppe gestanden haben. So trat etwa der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland gemeinsam mit dem Chef des Vereins als Redner auf. Der andere AfD-Chef, Jörg Meuthen, erklärte noch im Sommerinterview mit der ARD vor gut zwei Wochen, er habe "zu keinem Zeitpunkt je Kontakt zu diesem Verein" gehabt. Dabei ließ er seine Wahlkampagne von einer Schweizer PR-Agentur sponsern, die mit dem Verein "Recht und Freiheit" eng verbunden ist. Zudem gab Meuthen der Gratiszeitung des Vereins 2016 ein Interview.

Mehrfach erkundigte sich auch die Bundestagsverwaltung in den vergangenen Monaten bei der AfD-Spitze, was es denn auf sich habe mit der Unterstützung von Meuthen durch die Schweizer Firma. Der ZEIT und der Schweizer Wochenzeitung WOZ liegen nun weitere Hinweise darauf vor, dass die Partei bereits in der Gründungsphase von "Recht und Freiheit" engen Kontakt zu einem ihrer Vertreter hatte. Es geht um Zahlungen und Darlehen der Partei und um Mails zwischen der heutigen Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und dem Mann, der dem Verein den Weg bereitete. Sein Name: Josef Konrad.

In der AfD hat Konrad keine Funktion. Der Mann, von Beruf Werbetexter, ist einfaches Mitglied im AfD-Landesverband Bayern, Mitgliedsnummer 3324. Und doch gehörte er zu ihren wichtigsten Figuren.

Mit seiner Agentur Polifakt Medien produzierte Konrad im Auftrag mehrerer AfD-Landesverbände interne Zeitschriften und Fraktionsmaterialien und unterstützte die Partei mit Kampagnen in Wahlkämpfen. Auch heute noch arbeitet er für die AfD im bayerischen Landtagswahlkampf.