Es gibt ja diese Sätze, die einen sehr schnell als ostdeutsch auszeichnen – und oft sind das Sätze, die besonderen Pragmatismus ausstrahlen. Aus Veränderungen müsse man das Beste machen, sagt Hauke Stars, zur Not "von Pontius zu Pilatus gehen", und vor allem sei wichtig: "nicht rumjammern, sondern nach vorne schauen". So erklärte sie einst der Schweizer Handelszeitung ihr Lebensmotto.

Hauke Stars, 50, im sachsen-anhaltinischen Merseburg geboren, hat diese Methode weit gebracht. Sie ist Mitglied des Vorstands bei der Deutsche Börse AG; verantwortet dort seit diesem Frühjahr den Bereich Personal. Eine Frau, die die Uni noch nicht abgeschlossen hatte, als die Mauer fiel – und die in ihrem Leben immer beherzt zugriff, wenn sich eine Chance auftat.

Als zum Beispiel Mitte der Achtzigerjahre in der DDR das Studienfach Informatik eingeführt wurde, schrieb Stars sich sofort an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg ein. Als 1989 die Mauer fiel, nutzte sie die Chance, ihre Diplomarbeit an der TU Berlin zu schreiben. Mit dem Abschluss in der Tasche klapperte sie sodann, mitten in der Zeit der Wiedervereinigung, unzählige Botschaften und Auslandsvertretungen in Berlin auf der Suche nach einem Stipendium ab – und ging 1991 zum Masterstudium nach Großbritannien. Seither hat Stars’ Karriere nicht mehr an Fahrt verloren: Nach dem Berufseinstieg bei Bertelsmann in Gütersloh arbeitete sie bei ThyssenKrupp in Krefeld und bei Hewlett Packard, erst in Utrecht und später in Dübendorf, als Schweiz-Chefin des Konzerns. Dann, 2012, kam sie in den Vorstand der Deutschen Börse.

Dass sie Veränderungen liebe und sich freue, wenn eine neue Aufgabe anstehe, das liege vielleicht "an den Genen", hat sie einmal in einem Interview gesagt. Jedenfalls sei es "eine gute Herausforderung" gewesen, als die Familie – der Vater war selbst VEB-Direktor – 1979 aus der Kleinstadt Merseburg nach Potsdam gezogen sei; sie alle Freunde habe zurücklassen müssen. Oder dann, nach 1990: Ohne große Englischkenntnisse nach Warwick zu gehen und sich später umstandslos in den Niederlanden und der Schweiz einzuleben. Vielleicht waren es die ostdeutschen Frauen dieser Generation, die besonders flexibel, besonders durchsetzungsstark gewesen sind.

Die wenigen Porträts, die über Stars bisher erschienen sind, beinhalten grundsätzlich zwei Informationen: ihre Körpergröße (sehr groß) und ihre Freundlichkeit. Als "blitzschnell, intelligent, strukturiert und fordernd" wird sie von Kollegen beschrieben, sie sei herzlich und unaufgeregt und habe für schwierige Situationen immer ein Stück Schokolade im Schreibtisch. Doch dass sie allein mit einem bescheidenen Auftreten und dem Einsatz von Süßigkeiten nicht dorthin gekommen wäre, wo sie heute ist, belegt eine andere Selbstbeschreibung: Sie zeichne, sagte Stars einmal, vor allem Konsequenz aus. Sie erwarte von ihren Mitarbeitern eine klare Umsetzung der Vorgaben; wer nicht mitziehe, "kann nicht Teil des Teams sein". Teil wichtiger Teams ist Stars inzwischen selbst: So ist sie Mitglied in den Aufsichtsräten der Eurex Frankfurt AG, von Fresenius, Clearstream International und Kuehne+Nagel.