Neulich entnahm ich der Gala, die ich regelmäßig mit Vergnügen durchblättere, dass Heidi Klum sehr bodenständig ist. Und dass auch ihr neuer Freund, Tom Kaulitz, Gitarrist der Band Tokio Hotel, mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Der Bild wiederum entnahm ich, dass Heidi Klum bei einem Spaziergang durch Düsseldorf gesichtet wurde. An ihrer Seite waren Tom Kaulitz, ihre Mutter Erna und ihr Vater Günther, er trug ein senffarbenes Kurzarmhemd, seinen Pullover über der Schulter. Ich sah mir das Bild genauer an: Spaziergänger, wie sie halt zu Abertausenden durch deutsche Fußgängerzonen spazieren. Etwas störte mich.

War es Heidi Klum und ihr verliebtes, irrationales Grinsen? Waren es die Eltern, Günther und Erna, die exakt wie jene Typen aussahen, die einem auf Fuerteventura den Weg zum Buffet versperren? War es das unlässige Lässigsein von Tom Kaulitz aus Magdeburg? Man trank, diese Details bot mir der Bericht ebenfalls an, später noch in einem Brauhaus Altbier und aß dazu Bratwürstchen und Sauerkraut. Spätestens jetzt wurde mir klar, welches Problem hier vorlag.

Im Prinzip ist es doch so: Das Leben besteht für uns Normalmenschen, wenn ich diese Schublade mal aufmachen darf, zu einem großen Teil aus Flaschen wegbringen, an der Ampel warten, aus Formulare ausfüllen und nach einem aufwendigen Entscheidungsprozess eine neue Bildschirmarbeitsplatzbrille bestellen. Das sind Anti-Glamour-Wörter, die das normale Leben beschreiben: Bildschirmarbeitsplatzbrille. Oder man sammelt Müll ein, weil der Sack auf dem Weg nach draußen gerissen ist, und jetzt liegen Joghurtbecher und Orangenschalen und altes Kaffeepulver auf den Stufen. Das ist das Leben, das ganz normale.

Von einem Star erwarte ich, dass er sich von diesem Leben fernhält, ich erwarte Entrücktheit und Glamour. Ein Star muss eine Projektionsfläche sein für all jene Geschundenen, die von einem Leben träumen ohne Widrigkeiten wie Kühlschrank auswaschen oder Fenster putzen. Es ist eine Art von Arbeitsteilung: Stars führen stellvertretend das ausschweifende Leben, das sich die meisten anderen nicht leisten können.

Ich will nicht sehen, wie Heidi Klum durch Düsseldorf spaziert und eine Wurstplatte bestellt. Ich kann doch selbst durch Düsseldorf spazieren und eine Wurstplatte bestellen. Sie soll, verdammt noch mal, ein Star sein. Champagner, Privatjet, Monaco, Jacht, Paris, Ibiza, Jetski-Rennen, Verschwendung, Dekadenz.

Die Boulevardpresse glorifiziert regelmäßig, wenn ein Star "am Boden geblieben ist", was ja schon ein seltsames Bild ist: ein Stern, der nicht schwebt. Da wird beispielsweise euphorisch erwähnt, dass sich der Schauspieler Keanu Reeves bei seiner eigenen Party in die Schlange gestellt und zwanzig Minuten im Regen auf Einlass gewartet habe. Was ich nicht bodenständig finde, sondern in erster Linie dämlich.

Die Schauspielerin Anne Hathaway wird für ihr Bekenntnis gefeiert, dass sie ihr Bett und den Abwasch noch selbst mache. Wo ich ihr einfach raten würde, eine Spülmaschine zu kaufen. Und Thomas Müller, der Fußballer, wird dafür gelobt, dass er seinen Urlaub nicht etwa in der Südsee, sondern in Bayern verbringt, mit seinen Hunden "Micky" und "Murmel"! Der Müller Thomas! Da sitzt er in Bayern rum, ganz bodenständig, auf seinem Jahreseinkommen von dreißig Millionen Euro.

Ich mag diesen Normalitätskitsch nicht. Ich interessiere mich zum Beispiel für die britischen Royals, weil ich ihre goldenen Kutschen mag und den Verdacht habe, dass sie keine Pfandflaschen wegbringen müssen. Ein Foto, auf dem Harry zu sehen wäre, wie er in einer blauen Ikea-Tasche Leergut zum Supermarkt trägt, würde mich sehr stören. Es würde mir die Hoffnung nehmen, dass es irgendwo ein Leben gibt ohne diesen ärgerlichen Akt, bei dem einem meistens altes Bier auf die Hose läuft.

Wir müssen die Steuererklärung machen und die Waschmaschine reparieren, ständig solche Sachen. Ein Stern aber muss fern sein, er muss leuchten, und er muss verglühen.