Der Hai ist einfach ein wunderbares Kinomonster: gnadenlos, kleinäugig, verfressen, unberechenbar aus der Tiefe hervorschießend. In Jon Turteltaubs Sommer-Blockbuster Meg (Abkürzung für den prähistorischen Riesenhai Megalodon) sorgt allein schon die Aufnahme seiner Rückenflosse vor einem wimmeligen thailändischen Badestrand für wohlige Schauer. Der Film beruht auf dem gleichnamigen, 1996 erschienenen Bestseller von Steve Alten, über den der Meeresbiologe Richard Ellis seinerzeit in der Los Angeles Times ein ziemlich klares Urteil fällte: "Ein schreckliches Buch, bis zu den Kiemen vollgestopft mit faktischen Fehlern, geschrieben in einem Stil, der die Intelligenz einer Seegurke beleidigen würde." Allerdings sind Unterwasser-Horrorszenarios auch nicht für Faktencheck-Foren gemacht.

In Turteltaubs Film taucht das Urzeitwesen durch eine Eiswolke aus der Tiefe des Marianengrabens auf. Gemeinsam mit der Besatzung einer Forschungsstation nimmt ein Spezialtaucher (Jason Statham) die Jagd nach dem 25 Meter langen Monster auf, das mit demokratischem Appetit so gut wie alles frisst: Riesentintenfische, Wale, U-Boote, Menschen, Schiffe, Hündchen.

Was Meg von reinen Trash-Vorläufern wie Sharknado und Deep Blue Sea unterscheidet, ist die Einsicht seines Regisseurs, dass man selbst 43 Jahre nach Steven Spielbergs Der weiße Hai immer nur den zweitbesten Haifilm aller Zeiten drehen kann. Zudem handelt es sich um eine amerikanisch-chinesische Co-Produktion, die in den USA und China zeitgleich in die Kinos kommt. Dies beschert dem 150 Millionen Dollar teuren Film asiatische Schauplätze mit liebevoll gecasteten Statisten (wird es den dicken thailändischen Jungen mit dem Eis erwischen? Oder den eitlen Fatzke mit der gestylten Frisur?). Auch eine chinesische Heldin (Li Bingbing) hat der Film zu bieten, die nicht nur gerettet werden muss, sondern ein U-Boot steuern kann – wenngleich das so aussieht, als sitze sie am Lenkrad eines Autoskooters.

Ansonsten gibt es für einen Haifilm nur diese beiden Regeln: Erstens muss der Hai gut aussehen – was er in Meg auf eine riesenmakrelenhafte Weise tut. Zweitens (Zitat des Drehbuchautors Erich Hoeber): "Man muss dafür sorgen, dass die Figuren, die das Publikum gefressen sehen will, auch gefressen werden".