Pinguine müssen ins Meer springen, um Nahrung zu finden. Aber im Wasser lauern auch Feinde, insbesondere Seeleoparden und Schwertwale. Die Futtersuche ist also nicht ungefährlich. Deshalb sieht man manchmal größere Gruppen von Pinguinen, die am Ufer stehen und nervös von einem Fuß auf den anderen zu treten scheinen. Und dann, so geht die Legende, gibt manchmal einer von ihnen einem Kollegen einen unsanften Schubs, sodass der als Erster ins Wasser fällt. Bleibt er unversehrt, springt die ganze Meute hinterher.

Zoologen schütteln da den Kopf. "Nein, das tun sie definitiv nicht, auch wenn es für den unbedarften Beobachter so aussehen mag", sagt der australische Wissenschaftler, Buchautor und Filmemacher Lloyd Spencer Davis, einer der renommiertesten Pinguinexperten. Tatsächlich seien die Tiere zögerlich, aber irgendwann würde einer von ihnen sich ein Herz fassen und ins kalte Wasser springen. Die anderen folgten dem Herdentrieb.

Die Legende erzählt der Physiker Mark Buchanan, der sich mit der Dynamik des Verhaltens großer Gruppen beschäftigt, in seinem Buch Warum die Reichen reicher werden und Ihr Nachbar so aussieht wie Sie. In Wahrheit sieht es wohl eher so aus, dass wir Menschen unsere eigene Neigung zur Hinterlist, die ja ein recht komplexes Denken erfordert, auf die armen Tiere übertragen.

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