Sicher haben Sie auch schon tolle Fotos dieser kleinen Häuser gesehen. Profis sprechen von Tiny Houses. Das sind enge Wohnstätten, die, meist an Berghängen oder Seeufern, in Wäldern oder auf weiten Wiesen, stets aber einsam und äußerst idyllisch gelegen, oft mit etwas zu viel Farbe, in Design-, Architektur- oder Hygge-Magazinen gezeigt und als ideale Wohnform gepriesen werden. Als bescheidene Hütten, in die wir, des Überflusses müde, uns zurückziehen wollen. Wir alle. Weil: isso.

Tiny Houses bestehen aus einem Dach, Panoramafenstern und ganz viel Design. Außen sind sie oft mit regionalen Hölzern verkleidet und füllen so eine Leere im Innern von Landlust-Lesern, die dadurch entsteht, dass sie in ihrem geliebten Magazin nicht wohnen können. Tiny Houses sind eine Projektionsfläche für die Sehnsucht wohlhabender Stadtbewohner nach einem Leben in der Natur.

Nun muss, wer die Natur erhalten will, den Flächenverbrauch durch den Menschen wirklich verringern. Das gelingt mit Tiny Houses aber nur, wenn man sie übereinanderstapelt und möglichst auch noch nebeneinander, wodurch sie freilich zu "tiny apartments in humongous housing complexes" werden, einer auch als Wohnsilo bekannten Unterbringungsform. Dekorativ in der Pampa herumstehende einzelne Tiny Houses tragen sonst nämlich nur zu dem Problem bei, das sie zu lösen vorgeben: der Zersiedlung der Landschaft. Denn leider gibt es nicht genügend unberührte Seenlandschaften für alle, und erst recht liegen dort keine Glasfaserkabel, keine Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen, was lästig wird, weil das bescheidene Leben vermutlich nicht ohne Induktionskochfelder und Netflix-Abos auskommt und regelmäßige Wartungsarbeiten an der Fäkalien-Sickergrube rasch an Attraktivität verlieren. Eine Straße gehört natürlich dazu, damit der Lieferando-Bote kommen und man selbst mit dem SUV in die Stadt fahren kann, um dort etwas urbanes Flair zu genießen.