Wer für die Todesstrafe ist, in den Vereinigten Staaten, auf den Philippinen oder anderswo, der kann sich nun nicht mehr auf die katholische Kirche berufen. Der Papst hat letzte Woche juristisch nachvollzogen, was de facto schon längst der Fall ist: Er hat die Todesstrafe geächtet. Sie ist nun laut Katechismus der katholischen Kirche "unzulässig, weil sie gegen die Unantastbarkeit und Würde der Person" verstößt. Mehr noch: "Die Kirche setzt sich mit Entschiedenheit für deren Abschaffung in der ganzen Welt ein", so wird es zukünftig im Katechismus heißen. Zwar waren Franziskus’ Vorgänger ebenfalls gegen die Todesstrafe, hatten auch den diesbezüglichen Paragrafen im Katechismus über die Jahre immer weiter abgeschwächt, aber den letzten Schubs gab der Argentinier dem Passus.

Die Reaktionen ließen nach Franziskus’ Ankündigung nicht lange auf sich warten. Generell jubelt die freie Welt. Schon hat der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo (ein Demokrat), angekündigt, die Todesstrafe endgültig aus seinem Bundesstaat verbannen zu wollen – indessen der philippinische Senator Manny Pacquiao sich auf die Bibel beruft, die angesichts abscheulicher Verbrechen die Todesstrafe erlaube.

Der Papst, der so ungern mit lehramtlicher Autorität spricht, der lieber Zwischenräume offenlässt und Fußnoten anhängt, hier hat er ein rechtliches Machtwort eingepflanzt, an dem kein Nachfolger mehr vorbeikann. Er lehrt. Die Abschaffung der ultimativen Strafe sei eine konsequente Weiterentwicklung der katholischen Lehre, schreibt Luis Ladaria, Chef der Glaubenskongregation, in einem Begleitbrief.

Das Leben ist schützenswert, egal welche Verfehlungen es sich geleistet hat, so spricht die Kirche heute. Früher ließ sie ihre Inquisitoren sagen: "Vor dem Glauben gilt keine Stimme der Natur", bevor die Delinquenten den weltlichen Folterern und Henkern überantwortet wurden, denn die schmutzige Bestrafung an sich, die wurde damals ausgelagert. Auch im Lichte dieser frühneuzeitlichen (und nicht nur dieser) Glaubensexzesse muss man jetzt sagen: ein historischer Schritt! Genau diese Modernität erwartet die Welt, ob christlich oder nicht, vom Reformator Franziskus. Ein Federstrich aus seiner Hand, und schon jubelt der Erdkreis. Andererseits erreicht der Pontifex aber gerade innerkirchlich nicht viel; die großen Klopper Kommunion, Zölibat und Diakoninnen sind irgendwie versumpft im römischen Kurienmorast. Da kommt ein bisschen sommerlicher Jubel über die Geißelung der Todesstrafe gerade recht.