Die Zukunft der Arbeit sieht aus wie eine Mischung aus einem Ikea-Showroom und einer Wohngemeinschaft. An langen Holztischen tippen junge Menschen auf ihren Apple-Laptops. Ihre Kollegen lümmeln sich auf breiten bunten Sofas und Sesseln, ein einsamer Anzugträger mit grauen Schläfen sitzt mit seiner Aktenmappe auf einer quietschgelben Bank. Dahinter laden ein Tischkicker und eine Bar mit Zapfhähnen zur Office-Party ein. Um zehn Uhr morgens ist es dafür noch zu früh. Aber bei der Barista, die gern einen Chai Latte bereitet, steht man schon Schlange.

Willkommen im New Yorker Hauptquartier von WeWork. Das Unternehmen hat sich vorgenommen, das Büro zu revolutionieren. Oder wie es im Silicon Valley heißt: "WeWork disrupts the office." Die Geschichte dahinter klingt wie aus einem Start-up-Märchenbuch. Die jungen Gründer Adam Neumann und Miguel McKelvey treffen sich im hippen New Yorker Stadtteil Brooklyn. Neumann hat eine Firma für Babykleidung ins Leben gerufen, McKelvey ist Architekt. Sie wissen, was Gründer und Freiberufler sich wünschen: ein Büro mit Annehmlichkeiten und nicht zuletzt auch Kollegen, wie sie sonst nur Angestellte in etablierten Unternehmen haben. Wie wäre es, wenn man Einzelkämpfern die Chance böte, sich einen Schreibtisch in einem Büro zu mieten, in dem es neben einer Kaffeemaschine auch die Möglichkeit zum Austausch mit anderen gibt?

Nutzer heißen hier Mitglieder

Mit dieser Idee starteten die beiden im Jahr 2010 WeWork. Heute verfügt das Unternehmen über 283 Büros in 75 Städten und 280.000 Nutzer, die es "Mitglieder" nennt. WeWork hat Dependancen in Australien, China, Brasilien, Polen und 18 weiteren Ländern. In Deutschland nutzen 9000 Mitglieder Arbeitsplätze in Berlin, Hamburg, Frankfurt und München. Sechs weitere Standorte sind geplant.

Fast täglich kämen neue Objekte dazu, sagt Firmensprecher Arif Shah bei einer Tour durch WeWorks Hauptquartier in New York, das gleichzeitig als Vorführraum dient. Wer eine einfache Mitgliedschaft hat, kann sich einen Platz an einem der Gemeinschaftstische im Großraumbüro suchen. Mit der persönlichen Chipkarte werden Strom- und Internetanschluss freigeschaltet. Dafür zahlen Mitglieder in den USA einen Basispreis von 220 Dollar im Monat, in Deutschland sind es 350 Euro.

"Kein anderer Vermieter weiß so viel über seine Mieter."
WeWork-Firmensprecher Arif Shah

Derzeit arbeiten WeWork-Entwickler daran, dass bei der Anmeldung mit der Chipkarte automatisch die Höhe der Sitzfläche und die Temperatur am Arbeitsplatz den persönlichen Wünschen angepasst werden. Für 50 Euro mehr im Monat kann man einen festen Schreibtisch mieten, der zwar Schubladen bietet, aber auch nicht viel mehr Privatsphäre als die Großraumtische. Die stehen dicht an dicht in langen Reihen. Der übliche Raum, der US-amerikanischen Büroarbeitern zugestanden wird, liegt bei 23 Quadratmetern. Bei WeWork sind es "deutlich weniger", wie Shah einräumt.

Wer Vertrauliches zu besprechen hat, tut das in einer Telefonkabine. Weil die meist junge WeWork-Klientel diese Einrichtung oft noch nie gesehen hat, erklärt Shah, ein gebürtiger Londoner, dass es solche Telefonzellen in Großbritannien früher auf der Straße gegeben habe. Statt eines Wählscheibenapparates haben die WeWork-Designer in dem schmalen Raum eine Abstellfläche für den Computer und eine Bank installiert, gerade groß genug für eine Person.