Kopfüber stehe ich in einem Park mitten in Mailand und atme aus. "Vergiss deinen verspäteten Flug. Komm ganz hier an", sagt eine Stimme neben mir mit italienischem Akzent. Sie gehört Thea Barzano, 35 Jahre alt und Yogalehrerin. Für zehn Euro habe ich sie gebucht. Ich bin ein bisschen nervös. Wir kennen uns nicht, und das ist die erste private Yogastunde meines Lebens. Die Lehrerin aber wirkt noch nervöser. Mehrmals fragt sie, ob mir dieser Ort im Park gefällt und ob die Matte, die sie mir geliehen hat, in Ordnung ist. Ihr Zertifikat als Yogatrainerin habe sie erst vor einigen Wochen erhalten, erzählt sie, heute lehre sie zum ersten Mal auf Englisch.

Ihre Nervosität ist berechtigt: Wie erfolgreich sie als Yogalehrerin in Zukunft sein wird, das habe nun auch ich in der Hand. Nach unserer Session werde ich eine Bewertung auf ihrem Online-Profil hinterlassen. Ihre erste. Gefällt mir die Stunde nicht, kann es sein, dass sie niemand mehr bucht.

Gefunden habe ich Thea über Airbnb. Einer Seite, auf der Reisende seit 2008 Zimmer bei Privatleuten und ganze Wohnungen mieten können. Inzwischen ist das Unternehmen einer der größten Anbieter von Online-Dienstleistungen. 31 Milliarden Dollar soll es wert sein. Mit Leuten wie Thea Barzano will Airbnb nun weiterwachsen. Ihre Yogastunde ist eine von vielen "Entdeckungen", Freizeitaktivitäten, angeboten von Privatpersonen. Vor anderthalb Jahren begann die Plattform damit, inzwischen kann man die Entdeckungen an immer mehr Orten nutzen – seit wenigen Wochen auch in ganz Deutschland.

Ich bin nach Mailand gefahren, um die Entdeckungen auszuprobieren. An einen Ort, an dem ich noch nie war und von dem ich außer Klischees (Mode, Pizza, viele Mopeds) keine Vorstellung habe. Ich habe keinen Reiseführer gekauft und nicht mal Wikipedia gelesen. Vier Tage lang werde ich mich nur auf Airbnb verlassen.

Vor drei Stunden bin ich am Flughafen gelandet. Ich habe meinen Rucksack in der Zweizimmerwohnung (natürlich auch von Airbnb) abgestellt. Jetzt zeigt mir Thea, die ich wie alle in der Airbnb-Welt nur beim Vornamen nenne, Übungen gegen die Hitze (Beine hoch). Sie hat mir sogar ein Mittel gegen die Mücken mitgebracht. Manchmal verwechselt sie elbow und shoulder, aber dann schaue ich einfach, was sie macht. Nach der Stunde fühle ich mich nicht mehr ganz so zerknautscht von acht Stunden Reise und schon ein bisschen angekommen. Ciao, Thea, grazie, und keine Sorge. Ich hinterlasse fünf von fünf Sternen.

Gut gefiel mir auch, dass ich Thea so spontan buchen konnte. Erst zwei Tage vor meinem Flug habe ich meine Reise geplant. 150 Angebote zeigte mir Airbnb für "Entdeckungen in Mailand". Ich konnte sie in Rubriken wie Nachtleben, Essen & Trinken oder Musik sortieren. "Der durchschnittliche Preis für eine Entdeckung beträgt 60 Euro", stand auf dem Portal. Die günstigste, Joggen in einer Kleinstadt, kostete fünf Euro, war aber 180 Kilometer weit weg. Für 230 Euro hätte ich Trüffel suchen können und für 125 Eheringe gestalten.