Eigentlich will Donald John Mackay nur seine Ruhe haben. Ruhe bedeutet in seinem Fall: Klickklickklack, klickklickklack, 132-mal in der Minute, und weil klickklickklack harmlos leise klingt, sollte dazu gesagt werden, dass man in der Werkstatt von Mackay währenddessen kaum sein eigenes Wort versteht. Dem Touristenpärchen, das an diesem Vormittag Mackays Ruhe stört, ist das egal. Die Frau filmt Mackay, während der arbeitet, der Mann fotografiert seine Frau, während diese filmt. "Sind Sie Donald John Mackay?", hatte der Mann in Trekkinghose und Multifunktionsshirt gefragt, kaum hatte er angeklopft. Und weil es wirklich Donald John Mackay ist, der Donald John Mackay, fragte er dann, ob er und seine Frau beim Arbeiten zusehen dürften.

Der Mann, der da am Webstuhl sitzt, ist zu dem Gesicht einer Marke geworden, zu ihrer Galionsfigur, weil er diese Marke vor ihrem Untergang bewahrt hat. Die Marke, um die es hier geht, heißt Harris-Tweed, der Stoff ist das Produkt einer Kultur, in die Donald John Mackay vor 66 Jahren hineingeboren wurde, in der sein Vater schon lebte und die Großmutter. Mackay will diese Kultur erhalten, also weben, klickklickklack, klickklickklack, damit er auf seine 25 Meter Tweed am Tag kommt.

In Mackays Kindheit wird überall auf der Insel Tweed gewebt

"Weben ist ein Lebensstil", sagt Mackay, als das Touristenpärchen weg ist und der Webstuhl Stillsteht. Sätze wie diesen könnte man als Floskel abtun. Doch als Mackay sagt, dass der erste Tag, an dem er mit Tweedweben Geld verdiente, der 19. August 1970 war, er sich daran erinnert wie andere Menschen an Geburtstage, weiß man, dass die Weberei nicht einfach ein Beruf für ihn ist.

Donald John Mackay wurde auf den Äußeren Hebriden geboren, in Leverburgh, 1952. Auf der Inselkette westlich von Schottland leben mehr Schafe als Menschen, und als Mackay ein kleiner Junge war, züchteten die Menschen Schafe, fingen Fische oder stachen Torf, um ein bisschen Geld zu verdienen. Mehr Geld konnte man mit Tweed machen.

Wie der Vater am Webstuhl saß und Mackay als kleiner Junge zu seinen Füßen – das sind seine ersten Erinnerungen an das Weben. Diese lärmende Maschine mit ihrem klickklickklack, klickklickklack, in die man einzelne Fäden gab, um am anderen Ende einen Stoff herauszubekommen. "Ich habe durchs Zugucken gelernt", sagt Mackay. Und selbst wenn der Vater nicht am Webstuhl saß und Mackay nicht zuschauen konnte – die Weberei umgab ihn überall: Die Schafe, die ja vor allem gezüchtet wurden, um geschoren zu werden; ihre Wolle, die zum Trocknen herumlag; die Flechten und Kräuter, die gesammelt wurden, um die Wolle zu färben.

Als Mackay 16 Jahre alt ist, stirbt der Mann seiner Tante. Und da diese keine Kinder hat, soll er bei ihr wohnen, in Luskentyre, wo er bis heute lebt. Die Tante kauft ihm einen gebrauchten Hattersley-Webstuhl, und Mackay, der nichts anderes gelernt hat, beginnt zu weben. "Ich mochte es, allein zu sein", sagt er. Allein zu sein mit der Maschine, 25 Kilometer entfernt von seinen fünf Brüdern und den Eltern und dem viel zu kleinen Haus.

Klickklickklack, Klickklickklack

Ruhe zu haben bedeutet für Mackay seitdem, diesen Blick zu haben, aus dem Blechschuppen, in dem er arbeitet, über die inzwischen asphaltierte Einfahrt hinweg, über die Wiesen, hinunter zum Strand, weiter aufs Meer, bis zum Horizont. Dazu das klickklickklack, klickklickklack eines neueren Hattersley-Modells, das er sich in den 1970ern gekauft hat. Das Geschenk der Tante steht eingestaubt in der Ecke der Werkstatt. Ruhe bedeutet für ihn auch, das Radio einzuschalten und schottische Volksmusik zu hören oder das gälische Programm der BBC. Ja, er höre wirklich etwas, mehr noch: Er verstehe jedes Wort, versichert er, trotz des Lärms.

In den 1970er- und 1980er-Jahren ist Tweed mal beliebt, dann wieder nicht. Gibt es wenige Aufträge, gehen diese an Familien mit vielen Kindern – für Mackay, damals noch Junggeselle, bleibt kaum Arbeit und damit auch kaum Geld. Er sucht sich einen Nebenjob in einem Kohlelager. So wie Mackay heute sagt, dass Gott nach ihm schaue, so war er auch damals überzeugt davon, dass das eben sein Weg sei. In der Werkstatt lehnt ein gerahmtes Gedicht an der Wand, "God surely planned the pattern / Each thread, the dark and fair / Is chosen by His master skill / And placed in the web with care" ist ein Vers daraus – grob übersetzt könnte man sagen: Gott hat das Muster des Lebensstoffes bestimmt.