Passend zur Ferienzeit soll hier leichtere Kost ausgebreitet werden. Es geht um Wörter, genauer: Falschübersetzungen. Die sind meistens amüsant, haben aber in Krisen auch die Welt ins Unglück gestürzt. Karl Kraus wird die Sottise zugeschrieben: "Er hat aus dem Englischen in eine Sprache übersetzt, die er auch nicht beherrscht." Wir aber wollen Milde walten lassen und vorerst über verführerische "falsche Freunde" dozieren – Begriffe, die in beiden Sprachen gleich aussehen, aber völlig andere Bedeutungen haben.

Also: Apart steht im Englischen für "auseinander, einzeln" und nicht für "hübsch, reizvoll". Brave ist nicht "brav", sondern "mutig". Der Chef ist kein "Boss", sondern ein Koch. Das Verb flatter bedeutet nicht "mit den Flügeln schlagen", sondern "jemandem schmeicheln". Herd bezeichnet keinen "Backofen", sondern eine "Herde". Ein preservative ist kein Verhütungs-, sondern ein Konservierungsmittel. Wunderbar ist dieser falsche Freund, der in einem synchronisierten amerikanischen Film auftrat. Eine junge Frau zur anderen: "Dieser Typ interessiert sich doch nur für Saufen, Autos und Hühnchen." Tatsächlich stieg er nicht Küken hinterher, sondern chicks – Slang für "junge Mädchen".

Jetzt wird es ernster. Berüchtigt ist der Spruch des Kreml-Chefs Chruschtschow, der 1956 dem Westen entgegenschleuderte: "Wir werden euch begraben!" In Amerika wurde der Schwur als atomare Vernichtungsdrohung verstanden und befeuerte die Aufrüstung. Tatsächlich hatte sein Dolmetscher gepatzt. Er hätte es als "Wir werden euch überleben!" übersetzen müssen, was etwas friedfertiger geklungen hätte.

Mark Polizzotti berichtet in der New York Times von einem wahrhaft tödlichen Fehler. Im Juli 1945, vor Hiroshima, beantwortete der japanische Premier ein US-Ultimatum angeblich mit "stummer Verachtung". So kam es bei Präsident Truman an, der dann zwei Atomschläge gegen Japan verfügte. Richtig gewesen wäre: "Jetzt kein Kommentar, wir brauchen mehr Zeit." Die Weltgeschichte wäre anders verlaufen.

Ausgerechnet Hieronymus, der Schutzheilige aller Übersetzer, hat sich in der Übertragung der hebräischen Bibel ins Lateinische ein Ding geleistet, das zum antisemitischen Klischee geriet. Haben Sie sich schon mal gewundert, wieso Michelangelos Moses Hörner trägt? Tatsächlich umhüllte nach dem Abstieg vom Berg Sinai ein Strahlenkranz seinen Kopf, karan auf Hebräisch. Doch H. wähnte, Moses sei keren – gehörnt. So entstand die Vorstellung vom Juden im Teufelsgehörn, das jahrhundertelang die bildende Kunst prägen sollte.

Die Italiener haben recht mit ihrem Kalauer "traduttore, traditore" – "Übersetzer, Verräter". Doch wird der Verrat auch zur vergnüglichen Lappalie. Als Nixon bei seinem Besuch 1972 den chinesischen Premier Zhou fragte, was er denn von der Französischen Revolution halte, antwortete der: "Für eine Bewertung ist es noch zu früh." Tatsächlich meinte er die Studentenrevolte im Mai 1968. Doch der Gag ist in der Welt – als Beweis für die Weisheit und Weitsicht der Chinesen.

Karl Kraus gilt heute mehr denn je. Dolmetscher sollten beide Sprachen aus dem Effeff beherrschen, um die wilden Sprüche von Trump, Kim Jong Un und den iranischen Mullahs korrekt zu übersetzen. Für die Berichtigung im Zeitalter viraler Verbreitung im Netz bleibt keine Zeit.