Einen Waldbrand zu löschen ist sowieso schon anstrengend. Dieses Mal wurden wir auch noch beschossen. Es knallte, und zwischen den brennenden Bäumen flog eine Mörsergranate in die Luft. Da war mir schon ein bisschen mulmig. Unsere Anzüge und Masken können vor Rauch und Hitze schützen, aber nicht vor scharfer Munition. Im Zweiten Weltkrieg wurde in den Brandenburger Wäldern heftiger gekämpft als anderswo in Deutschland. So ein Feuer macht die alten Granaten noch heute gefährlich, deshalb haben wir nach der Explosion erst einmal 200 Meter zusätzlich Abstand gehalten. Auch bei Feuerwehrleuten gilt: Selbstschutz vor Sachschutz.

Ein paar Stunden zuvor, am Nachmittag, war die Meldung aus der Leitstelle gekommen. Seit Tagen hatten wir die höchste Warnstufe; bei so langen Trockenperioden muss man jederzeit mit Waldbränden rechnen, wir hatten dieses Jahr schon dreimal mehr als in einem normalen Sommer. Angst hatte ich keine – bis ich diese riesige Rauchwolke sah. Da war mir klar: Das dauert länger. So einen Brand gab es in der Region zuletzt 1976, da war ich noch nicht mal geboren. Normalerweise ist ein kleiner Waldbrand nach drei, vier Stunden gelöscht: Man versucht vor allem zu verhindern, dass das Feuer sich weiter in den Wald hineinfrisst. Diesmal brauchten wir vier Tage. Nach zwölf Stunden war Schichtwechsel, die erste Nacht habe ich kaum geschlafen. "Papa, du musst dich auch mal ausruhen", sagte meine Tochter.

Wichtig beim Löschen ist natürlich Wasser. In unsere Fahrzeuge passen nur 4500 Liter, was für einen Waldbrand nicht besonders viel ist. Deshalb haben wir die Bauern aus der Umgebung gebeten, uns zu helfen. Mit ihren Traktoren kamen sie zu uns gefahren, darauf transportierten sie riesige Fässer mit bis zu 20.000 Liter Wasser. Wenn der Wind stark wird, gerät so ein Brand allerdings schnell außer Kontrolle. Wir buddeln dann zusätzlich Gräben aus, hauen mit Spaten auf das Feuer und versuchen, die Flammen mit Feuerpatschen zu ersticken.

Die Menschen aus den umliegenden Dörfern haben uns Getränke gebracht. Nach sieben Stunden am brennenden Wald war ich froh, einen Becher Fanta zu trinken. Süß und kühl, das tut gut und ist wichtig, wenn man den ganzen Tag vor den Flammen steht. Eine zweite Granate ist zum Glück nicht explodiert. Selten habe ich mich so sehr auf eine Dusche gefreut wie am vierten und letzten Tag des Brandes. Danach bin ins Bett gefallen und habe gehofft, dass es in den nächsten Tagen regnet.

Wenn Sie in unserer Rubrik berichten möchten, "Wie es wirklich ist", melden Sie sich bei uns: wirklich@zeit.de