Im Oktober 2012 veröffentlichte die Stadt ihren bis heute gültigen Hafenentwicklungsplan. Im Jahr 2015 sollten demnach rund 12,4 Millionen Container umgeschlagen werden, im Jahr 2020 schon 17 Millionen, 2025 schließlich 25 Millionen. Inzwischen wäre der Hafen froh, wenn er 2018 wenigstens 9 Millionen Container schaffen würde. Während die Konkurrenz in Rotterdam und Antwerpen wächst, wird in Hamburg immer weniger Ladung gelöscht.

Der Hafen hat ein Problem, das sehen inzwischen die meisten Beteiligten ein. In den vergangenen Wochen wurde aus Politik und Wirtschaft die Forderung laut, endlich gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Aus Sicht der Hafenwirtschaft lautet die: mehr staatliches Geld. Schließlich stünden 150.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Diese Zahl ist allerdings ähnlich wenig wert wie die Prognosen aus dem Jahr 2012.

Ursprünglich stammt dieser Wert von der Unternehmensberatung Planco, die ihn vor 15 Jahren im Auftrag der Hafenverwaltung geschätzt hat; zuletzt aktualisiert wurde er für das Jahr 2014. Knapp 150.000 Arbeitsplätze in der Metropolregion seien vom Hafen abhängig, hieß es damals, 130.000 davon in Hamburg. Die Rechnung: Etwa 8000 Menschen arbeiten direkt in der Schifffahrt, zur Hafenwirtschaft werden außerdem Mitarbeiter von Logistikunternehmen gezählt – dann kommt man auf realistische 42.000 Arbeitsplätze . Darüber hinaus werden aber auch 22.000 Mitarbeiter in der Verwaltung, bei Banken und im Großhandel und 13.000 in der Industrie einberechnet. Und schließlich 53.000 indirekt Beschäftigte – also Mitarbeiter von Firmen, bei denen die Hafenarbeiter einkaufen oder die ab und an Aufträge erhalten. Die Hafenwirtschaft behauptet damit, der Arbeitsplatz der Friseurin, die den Beschäftigten der HSH Nordbank die Haare schneidet, hänge vom Hafen ab.

Es ist eine gute Idee, endlich offen über die Zukunft des Hafens zu debattieren. Dazu gehört eine ehrliche Bestandsaufnahme: Der Hafen ist Teil der Hamburger Identität, aber seine wirtschaftlichen Effekte sind längst nicht mehr so groß, wie die Hafenwirtschaft immer behauptet. Die Gesundheitsbranche, der Einzelhandel, das Baugewerbe oder die Industrie beschäftigen längst viel, viel mehr Menschen als der Hafen.

Der Hafen schrumpft – die Wirtschaft wächst trotzdem. Allerdings ist die Lobbymacht des Hafens immer noch gewaltig, die historisch geprägte Furcht der Politik vor den Hafenbossen groß. Die Gefahr ist, dass genau das einem klugen Plan für die Zukunft entgegensteht.