Unsichere Zeiten bringen in der Politik hin und wieder etwas eigentümliche Debatten hervor. In dieser Woche: den Streit ums schwarz-rote Hufeisen.

Eine Zusammenarbeit zwischen CDU und Linken also, die zwar lange Zeit als absolut ausgeschlossen galt, aber nach dem Stand der aktuellen Umfragen im Osten der einzige Weg sein könnte, um eine Regierungsbeteiligung der AfD zu verhindern. Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU), hatte die Option zart anklingen lassen und seine Partei damit ziemlich jäh aus ihrer Sommerdösigkeit gerissen. Rasch regten sich die Flügel der Union, die Generalsekretärin bremste, und selbst die Kanzlerin musste beschwichtigend eingreifen.

Bei der Linken sieht man die Diskussion dagegen äußerst gelassen. Während die Christdemokraten noch streiten, haben sich einige Linke schon einmal ein paar konkrete Gedanken gemacht. Natürlich könne man sich mit der CDU auf Sachthemen verständigen, sagt der Leiter der thüringischen Staatskanzlei, Benjamin-Immanuel Hoff. "Aber für eine Koalition braucht es ein gemeinsames Projekt. Und das gibt es mit der CDU nicht." Die Aufgabe wäre es vielmehr, über ein System nachzudenken, in dem Unterschiede zwischen den Parteien weiterhin erkennbar seien, aber die Politik trotzdem handlungsfähig bleibe. Seine Lösung: eine Minderheitsregierung. Schwarze und Rote tolerieren einander, und die stärkste Fraktion stellt den Ministerpräsidenten. Hoffs Chef, der Ministerpräsident Bodo Ramelow, wirbt im Hintergrund schon länger für Tabubrüche dieser Art. "Wir müssen uns in Deutschland locker machen", sagte er, als im vorigen Jahr in Berlin lange keine Bundesregierung zustande kam – und er sich durchaus vorstellen konnte, dass seine Linke eine CDU-Regierung tolerieren würde.

Auch andere Ost-Linke sehen das so. "Von der CDU trennen uns zwar Welten", sagt Andreas Höppner, Landeschef der Linken in Sachsen-Anhalt. Die CDU sei auf einem strammen Rechtskurs unterwegs, habe im Landtag sogar schon gemeinsam mit der AfD abgestimmt. "Aber trotzdem müssen demokratische Parteien gesprächsbereit sein." In Sachsen-Anhalt, wo die PDS in den 1990er-Jahren einen SPD-Ministerpräsidenten mitwählte – das "Magdeburger Modell" –, habe man Erfahrung mit außergewöhnlichen Politikformen. "Und eine Minderheitsregierung ist in einer solchen Situation eine Möglichkeit", so Höppner.

Auch Thomas Dudzak, Geschäftsführer der Linken in Sachsen, stimmt mit ein. Nach 28 Jahren ununterbrochener CDU-Herrschaft in Sachsen werde man sich bestimmt nicht als Koalitionspartner andienen. Aber man müsse bereit sein, Neues auszuprobieren, und eine Minderheitsregierung, warum nicht? "Die Politik kommt so aus dem Hinterzimmer wieder hinein ins Parlament." Und schließlich gehe es darum, die Stabilität zu wahren.

Staatskanzleichef Hoff ergänzt mit sonorer Stimme: "Die CDU muss sich dann überlegen, ob sie weiterhin eine verlässliche Kraft für dieses Land ist." Die Linken als Staatspartei, die Union als unsicherer Kantonist – man kann die klammheimliche Freude der Linken über diese neuen Rollen kaum überhören. Noch bleibt ein Jahr bis zu den Landtagswahlen, dann könnte es sein, dass aus dem Hufeisen schnell mehr wird als ein Gedankenspiel.