Von der SPD und jetzt sogar einer neuen linken Sammlungsbewegung hören wir immer wieder, dass AfD-Unterstützer wirtschaftlich abgehängt seien – Verlierer des Neoliberalismus, der Globalisierung, der Dienstleistungsgesellschaft. Und es stimmt ja auch: In hippen, wohlhabenden Großstadtvierteln wählen weniger die AfD als in abgehängten Dörfern mit hoher Arbeitslosigkeit. So weit, so einfach. Wäre da nicht eine Unstimmigkeit: Die AfD verspricht ja gar nicht, sich um diese Abgehängten zu kümmern, sondern wettert vor allem gegen Flüchtlinge. Findet die AfD ihre Unterstützer also wirklich unter den ökonomischen Verlierern oder eher unter Ausländerfeinden? Mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels kann man diese Fragen nun erstmals wirklich beantworten – mit überraschenden Ergebnissen.

Obwohl fast die gesamte Politik davon ausgeht, dass gerade ökonomisch Abgehängte die AfD unterstützen, zeigt sich bei einer Berechnung mit über 20.000 im Jahr 2016 Befragten, dass der Verdienst von AfD-Unterstützern nur knapp unter dem Durchschnitt der Bevölkerung liegt. Auch haben sie keine niedrigere Bildung und sind nicht öfter arbeitslos. Sie beschweren sich nicht ein- mal stärker über die wirtschaftliche Entwicklung. Untersucht man alle möglichen Einstellungsunterschiede zwischen AfD-Unterstützern und anderen, findet sich: fast nichts. AfD-Unterstützer unterscheiden sich weder wirtschaftlich noch in ihren persönlichen und politischen Ansichten stark von anderen Deutschen. Mit einer Ausnahme: Sie machen sich mehr Sorgen wegen der Zuwanderung.

Wer stärker als andere Sorgen vor Zuwanderung äußert, dessen Neigung, die AfD zu unterstützen, ist 4,6-fach höher. Wer hingegen findet, dass Flüchtlinge Deutschland zu einem besseren Lebensort machen, unterstützt die AfD fünfmal seltener. Kulturelle Faktoren beeinflussen die Unterstützung der AfD stärker als ökonomische. Wer sich beispielsweise mehr Sorgen um seine eigene wirtschaftliche Situation macht, der hat zwar immerhin eine um fast 40 Prozent erhöhte Chance, die AfD gut zu finden. Doch wer findet, dass Flüchtlinge die Kultur untergraben, unterstützt die AfD fast fünfmal so oft.

Man findet diese Einstellungen zwar bei ökonomisch schlechter Gestellten geringfügig häufiger. Aber dadurch entsteht der falsche Eindruck, dass ökonomisches Abgehängtsein zur Unterstützung der AfD führt. Die Daten des Sozio-oekonomischen Panels zeigen: Wer in einer großartigen wirtschaftlichen Lage ist, wählt trotzdem mit erhöhter Wahrscheinlichkeit die AfD, wenn er fremdenfeindliche Einstellungen hat. Wer aber arbeitslos ist, wenig verdient und entsprechend unzufrieden mit seiner wirtschaftlichen Lage ist, unterstützt trotzdem nicht die AfD, solange er keine fremdenfeindlichen Einstellungen hat.

Das wäre für die Politik eine interessante Information. Denn die Daten zeigen, dass AfD-Unterstützer nicht "anders" als andere Deutsche sind. Man muss nicht nach indirekten Ursachen suchen oder gar dunkle Kräfte wie den Neoliberalismus dafür verantwortlich machen. Es handelt sich einfach um Menschen, die sich Sorgen wegen der Zuwanderung machen. Wer die AfD-Wähler zurückgewinnen will, muss keine Kreuze aufhängen, sondern nur die Skepsis gegenüber Zuwanderung ernst nehmen.

Aber was für eine Skepsis ist das genau? Aufgrund der Berichterstattung könnte man denken, Deutschland sei gespalten in Ausländerhasser und Flüchtlingshelfer. Doch auch hier zeigen die Daten etwas anderes.

Zuletzt 2015 fragte die Forschungsgruppe Wahlen eine repräsentative Auswahl an Deutschen, ob sie es gut finden, dass politisch Verfolgte in Deutschland ein Recht auf Asyl haben. Nicht nur stimmten 91 Prozent dem zu (mehr als in den 1980er- und 1990er-Jahren). Selbst unter denen, die die AfD wählen wollten, lag die Zustimmung ähnlich hoch. Ein Jahr später befürworteten sogar fast drei Viertel derer, die sich politisch als "rechts" einstuften, dass Kriegsflüchtlinge Asyl bekommen sollten.

Was also unterscheidet die Einstellungen der AfD-Unterstützer dann von den restlichen Deutschen? Schon 2014 äußerten 44 Prozent aller Deutschen, dass sie die Gefahr einer kulturellen Überfremdung sehen. Unter AfD-Befürwortern waren es über drei Viertel. Und diese Sorge wurde nur größer. Wem Ende 2015 der Flüchtlingszuzug nach Deutschland Angst machte, der fand keine Partei im Bundestag, die diese Angst ernst nahm. Wer diese Sorge adressiert, der kriegt – nach allem, was die Daten aussagen – auch die AfD klein. Damit, dass die AfD-Wähler ökonomisch abgehängt sind, hat es allerdings nichts zu tun.