Die Marke wird bei Lederwaren Struve im noblen Hamburger Stadtteil Eppendorf ganz großgeschrieben. Der Rimowa-Schriftzug dominiert die hintere Wand des kleinen Geschäfts, die kleinen Trolleys und großen Reisekoffer mit den markanten Rillen füllen den halben Laden – in klassischem Alu-Look, leuchtendem Rot, markantem Dunkelblau, dezentem Cremeton und edlem Grau. "Shop-in-Shop" heißt das Konzept im Handelsdeutsch.

"Fast 50 Prozent des Umsatzes habe ich bisher mit Reisegepäck von Rimowa gemacht", sagt die Eigentümerin Angela Waldrich. Seit ihre Eltern den Laden Ende der Achtzigerjahre eröffneten, seien die Koffer immer wichtiger geworden. Nachdem die gelernte Hotelfachfrau den Laden vor sieben Jahren übernommen hatte, investierte sie 15.000 Euro in den Shop-in-Shop von Rimowa. "Rimowa hat bei den Kunden einen guten Ruf", sagt Waldrich, die Koffer seien funktional, technisch innovativ und qualitativ hochwertig.

Alles prima? Von wegen.

Die nächste Kollektion der Rillenkoffer wird es bei Struve Lederwaren nämlich nicht mehr geben. Schon vor Monaten hat Rimowa den Liefervertrag gekündigt. Ein Vertreter der Kofferfirma, der an diesem Tag Ende Juli zufällig im Geschäft ist, schaut ziemlich bedröppelt drein, widerspricht aber nicht. Waldrich hat ein Rabattschild unter das Markenlogo befestigt: "-20%". "Das gilt für alle Rimowa-Koffer, die Sie hier sehen", sagt Waldrich, und in ihrer Stimme schwingt Wehmut mit, wenn sie sagt: "Die alte Rimowa war toll."

Die "alte Rimowa" hat sich für die Händler stets ausgezahlt: Obwohl schon ein handlicher Trolley fürs Bordgepäck locker 500 Euro kostet und ein mittelgroßer Koffer kaum unter 700 Euro zu haben ist, war die Marke bei den Kunden hochbegehrt. Die "neue Rimowa" will aber mit vielen der alten Partner nichts mehr zu tun haben. Struve ist nicht der einzige Fachhändler, der künftig keine Ware des Herstellers aus Köln mehr führen wird.

Seit der französische Luxusgüterkonzern LVMH (Lous Vuitton, Moët Chandon, Hennessy, Dior, Fendi und andere) vor gut zwei Jahren mit 80 Prozent die Mehrheit an dem vor 120 Jahren gegründeten Familienunternehmen übernahm, wird die Vertriebsstrategie radikal geändert. Die Koffermarke soll künftig nur noch in einem exklusiven Handelsumfeld oder im eigenen Online-Shop zu haben sein. Im März hat Rimowa deshalb alle Lieferverträge mit den bisherigen Handelspartnern in Europa gekündigt, darunter auch jene von mehr als 500 Lederwarenhändlern in Deutschland. Zwar bekamen alle gekündigten Partner die Chance, sich bis Ende Mai für einen neuen Vertrag zu bewerben. Dies aber zu deutlich härteren Bedingungen.

Die Franzosen wollen die Preise für die neue Kollektion um 25 Prozent erhöhen

"Das war ein Schock für die meist mittelständischen Fachhändler", sagt Axel Augustin, Geschäftsführer des Handelsverbands Lederwaren in Köln. Wer einen neuen Vertrag mit Rimowa wollte, musste einen Mindestumsatz von 200.000 Euro im Jahr garantieren. "Das entspricht einem Verkaufswert von über 500.000 Euro", rechnet Augustin vor. Außerdem, so berichten Händler, hätten sie ein neues Shop-in-Shop-System auf mindestens 20 Quadratmetern Fläche installieren, prominenten Platz im Schaufenster frei halten und um durchschnittlich 25 Prozent höhere Preise für die neue Kollektion akzeptieren müssen.