Es gibt Manager, die haben sich einen kleinen Golfparcours in ihr Büro gestellt, den sie bespielen, um runterzukommen. Andere schlagen auf einen Punchingball. All das braucht Silicon-Valley-Pionier Elon Musk nicht. Er hat Twitter. Mal drischt der Gründer und Chef des Elektroautoherstellers Tesla auf angeblich korrupte Gewerkschafter ein, dann bezeichnet er Rettungstaucher, die in Thailand Kinder aus einer Höhle retteten und sich kritisch über ihn geäußert hatten, als pädophil.

Das ist oft dreist, manchmal dumm und meistens frech, aber solange Musk tolle Autos baute, haben ihm viele Fans dieses Hobby verziehen.

Doch nun könnte ein Tweet aus der vergangenen Woche Musk und Tesla viele Millionen Dollar kosten. In diesem Tweet gerät Musks Lust, in Trump-Manier auf Gegner einzuprügeln, in Konflikt mit den Pflichten des Unternehmers Elon Musk, der sich zum Beispiel an das Kapitalmarktrecht halten muss.

Via Twitter kokettierte Musk damit, Tesla von der Börse zu nehmen, und er versprach, Aktionäre mit 420 Dollar je Aktie auszuzahlen. Die Finanzierung sei gesichert. Es klang wie die nächste Eruption des Musk-Vulkans, doch zeitigt dieses spezielle Naturereignis unabsehbare Konsequenzen.

Eine gefährliche Aussage sei Musks Ankündigung, warnte der frühere Vorsitzende der US-Börsenaufsicht, Harvey Pitt. Wer es im Zusammenhang mit dem Wertpapierhandel mit der Wahrheit nicht so genau nehme, der laufe Gefahr, "sowohl für den von Ihnen verursachten Schaden aufkommen zu müssen, als auch das Risiko einer strafrechtlichen Verfolgung einzugehen".

Der Schaden war längst zu spüren. Mit seiner überraschenden Nachricht verbrannte Musk zunächst einmal das Geld von vielen Spekulanten, die auf fallende Kurse wetteten. Genährt durch seine Ankündigungen stieg der Aktienkurs binnen Stunden um über 45 auf fast 390 Dollar, weil viele Anleger nun damit rechneten, später zu höheren Kursen verkaufen zu können.

Bereits Anfang der Woche waren mindestens drei Sammelklagen bei US-Gerichten angemeldet, auch eine deutsche Kanzlei sucht nach ZEIT-Informationen bereits nach Partnerfirmen in den USA, um gemeinsam Klage einzureichen.

Die Investoren werden sich in Musk mit einem Mann streiten, der augenscheinlich nicht wahrhaben will, dass sein Unternehmen ohne die laufende Finanzierung durch Aktien und Anleihen längst pleite wäre. Allein im ersten Halbjahr machte das Unternehmen umgerechnet gut eine Milliarde Euro Verlust. Zum Vergleich: Volkswagen schaffte einen Gewinn von über acht Milliarden Euro.

Wer Aktien von Tesla kauft, geht eine Wette ein: Das hunderttausendfach vorbestellte Model 3 von Tesla wird demnach für Elektroautos das, was der VW Käfer für Benzinautos war. Damit Tesla und Musk nicht in Geldnot kommen, weil ihnen niemand mehr welches geben mag, muss diese Börsenstory am Leben bleiben.

Es hätte eine seriösere – und zugegeben etwas langweiligere – Möglichkeit gegeben, das Model 3 zum Erfolg zu führen. Dafür hätte man gleich die Massenproduktion zum Laufen bringen und tatsächlich Geld mit den Autos verdienen müssen. Zwar kann Tesla nun wie angepeilt 5.000 Model 3 in der Woche bauen. Aber es verbrennt dabei jede Menge Geld – zuletzt waren es über acht Millionen Dollar Tag für Tag.

Frank Schwope von der Nord LB hält Musk für "hochgradig nervös". Der Branchenexperte rät wie viele andere Analysten, die Tesla-Aktie zu verkaufen. Der Konzern müsse "erst noch beweisen, dass er mit dem Model 3 auch tatsächlich Geld verdienen kann – und dass das Fahrzeug qualitativ hochwertig ist".