Manchen Städten wohnt ein Zauber inne. Schon der Name etwa von New York löst Assoziationen aus – je nach Veranlagung sind das Freiheit und unbegrenzte Möglichkeiten oder Katastrophenszenarien von Roland Emmerich. Viele nach New York Reisende fotografieren schon beim Anflug die Skyline und posten die Bilder später mit Kommentaren wie "finally, back again in #NYC" auf Twitter, um subtil ihre Weltläufigkeit auszudrücken. Ohne es zu wissen, folgen sie damit einer alten Tradition.

Lange bevor es Twitter gab, gab es Türen, und Türen gibt es bis heute. Manche sind aus Glas und straßenseitig mit "New York, Paris, Mailand" oder so beschriftet, und zwar auch, wenn sie sich in Bamberg oder Gütersloh befinden. Sie führen in Geschäfte, die teures Zeug verkaufen und dies auch anderswo tun.

Bis heute habe ich nicht verstanden, warum ich ein Produkt kaufen soll, nur weil es auch an anderen, weit entfernten Orten verkauft wird. Ständig reden alle von Regionalität, aber sobald es um Lifestyle geht, kann es nicht kosmopolitisch genug sein. Genau so funktioniert die Städtenamen-Tür. Durch eine solche Tür zu gehen ist immerhin etwas weniger peinlich als einen "finally, back again in #NYC" -Tweet abzusetzen, der ja innerhalb des Hinweises, dass man gerade in New York ist, noch die Botschaft unterbringt, dass man schon öfter da war, sich also echt auskennt. Nein, hinter einer Tür mit Städtenamen darf man sich einfach etwas vom Gefühl der großen weiten Welt kaufen (sofern man emotional auf die Sache mit der Freiheit und nicht auf Roland Emmerich gepolt ist).

Wer sich widersetzen will, stelle sich bitte vor, auf der Tür stünde nicht "New York, Paris, Mailand", sondern "Torrington, Lhoumois, Barrata". Ich will diesen Orten nicht zu nahe treten, vermutlich aber erlischt das Kaufverlangen. Das gesparte Geld reicht unter Umständen schon für einen Flug nach New York. Vergessen Sie nicht, Fotos zu machen.