Es gibt verschiedene Typen von Fahrrädern, und alle haben ihre Vor- und Nachteile. Auf den einen sitzt man bequemer, mit den anderen bringt man mehr Kraft auf die Straße. Eine der umfassendsten Untersuchungen über die Sitzposition auf den unterschiedlichen Typen hat Juliane Neuß für den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) verfasst.

Auf drei "Kontaktpunkte" – nämlich Lenker, Pedale und Sattel – verteilen sich unser Gewicht und unsere Körperkräfte. Während beim Rennrad 70 Prozent dieser Kräfte auf die Pedale wirken, lasten bei Rädern mit aufrechter Sitzhaltung 50 bis 70 Prozent des Gewichts auf dem Sattel. Entsprechend schwerer fällt das Treten, und der höhere Luftwiderstand bremst zusätzlich.

Klar ist also, dass man mit dem Rennrad schneller fahren kann. Wie aber sieht es mit der Belastung für die Wirbelsäule aus? Hobbyfahrer finden zunächst einmal Touren- oder Cityräder bequemer, zu denen auch Hollandräder gehören. Da muss man sich nicht verbiegen und sitzt aufrecht wie auf einem Stuhl. Aber das Fahrrad steht ja nicht still, es ist ein sich dynamisch bewegendes System. Das Fahren ähnelt dem Ritt auf einem Pferd, und jeder erfahrene Reiter wird bestätigen, dass eine zu aufrechte Sitzposition, womöglich noch mit durchgedrücktem Hohlkreuz, zu Rückenschmerzen führen kann. In dieser Position werden alle senkrecht wirkenden Kräfte vom Sattel direkt auf die Wirbelsäule übertragen. Der Radler spürt jede Unebenheit und kann sie kaum abfedern.

Das spricht nicht unbedingt gegen das Touren- und Hollandrad. Auf die Konstruktion und Position des Lenkers kommt es an. Ein zu hoher Lenker verleitet die Fahrerin oder den Fahrer zu einer schlechten, nach hinten gelehnten Körperhaltung. Ein gutes Hollandrad hat einen niedrigeren Lenker, dessen Griffe nahe am Körper liegen. Dann neigen wir uns leicht nach vorn, um 15 bis 20 Grad, der Schwerpunkt des Körpers liegt nicht über dem Sattel, sondern eher über den Pedalen. Und die Wirbelsäule kann ihre natürliche S-Form annehmen, in der sie am flexibelsten ist und Stöße am besten wegsteckt.

Niederländer haben nicht mehr Rückenprobleme als Menschen in anderen Ländern. Wenn das Hollandrad richtig auf den Körper des Fahrers eingestellt ist und über einen gut gefederten Sattel verfügt, kann man auch auf ihm rückenschonend größere Strecken zurücklegen.

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