In der Kolumne "Zeitzeichen" schreibt der Reporter Ulrich Stock regelmäßig aus dem Redaktionsalltag von ZEIT und ZEIT ONLINE.

In einem Interview unseres Feuilletons las ich die hübsche Formulierung, es sei unwahrscheinlich, dass wir als Gesellschaft "uns wieder thomasmannisieren". Das erinnerte mich an die Berechnung, die mal jemand angestellt hatte: dass eine Ausgabe unserer Zeitung einen Umfang wie die Buddenbrooks habe. Die ZEIT – ein Buch!

Aber wussten Sie eigentlich, dass Ihre Zeitung aus mehreren Büchern besteht? Bücher nennen wir die einzelnen Bunde, die sich zur ZEIT bündeln. Das erste Buch enthält die Politik, das zweite Buch die Ressorts Dossier und Geschichte, das dritte die Wirtschaft und so fort.

Weil die Bücher lose aufeinanderliegen, lässt sich die Zeitung teilen.

"Gib mal das Wissen!", sagt die Leserin zum Leser, der ihr gegenüber in das Feuilleton vertieft ist.

Ein gedankenverlorener Griff, und er reicht ihr das Gewünschte vom Sofa auf den Sessel.

Ihre Teilbarkeit teilt die ZEIT mit Tageszeitungen wie der Frankfurter Allgemeinen oder der Süddeutschen.

Versuchen Sie mal, einen Spiegel oder einen stern zu teilen! Zum einen weiß man oft gar nicht, wo da das Feuilleton ist; zum anderen brauchte man eine Schere, um die Seiten auszuschneiden, wenn man das Heft nicht zerreißen will. Ich kenne niemanden, der das macht.

Diesseits der Thomasmannisierung sind der Spiegel und die ZEIT auch unterschiedlich alltagstauglich. Wenn am Kaffeetisch unter der Lektüre etwas danebengeht, zeigt die ZEIT ihre zewaartige Wisch-und-weg-Qualität, während am Hochglanz des Spiegels alles abperlt und auf Kleid und Hose läuft.

Wir sind das saugfähigere Blatt.