Vor ein paar Tagen erteilte das dänische Umweltministerium seine Zustimmung zum Bau eines Zaunes entlang der Grenze zu Deutschland. 1,50 Meter soll er hoch werden, auf 70 Kilometer Länge die beiden Länder voneinander trennen.

Die Dänen treibt Angst, und zwar aus guten Gründen: Die Afrikanische Schweinepest, kurz ASP, ist im Anmarsch. Die Tierseuche, die vor zehn Jahren per Schiff einen georgischen Hafen und damit erstmals Europa erreichte, kommt näher. Die Ausbrüche der Infektionskrankheit beschränken sich bislang auf Länder in Osteuropa, etwa auf Russland, Polen, die Ukraine, Rumänien und Tschechien. Bis zur deutschen Grenze sind es aber nur noch 400 Kilometer.

Für Menschen ist die ASP ungefährlich, aber Wild- und Hausschweine gehen an ihr elendig zugrunde. Wer Bilder von einem Schweinestall gesehen hat, in dem die Krankheit wütet, vergisst sie nicht. Mitleid mit den Tieren ist jedoch das allerletzte Motiv, warum im (noch) ASP-freien Teil von Europa die Angst vor der Seuche grassiert.

Die große Nervosität in Dänemark ist schnell erklärt: Dort leben sechs Millionen Menschen – und mehr als doppelt so viele Schweine. Zum Vergleich: Beim größten europäischen Schweineexporteur Deutschland sind es knapp 27 Millionen Tiere auf 82 Millionen Einwohner. Zudem sind die Industrien beider Länder eng miteinander verzahnt. Dänemark liefert viele der Ferkel, die in deutschen Ställen gemästet werden. Außerdem führt die hoch spezialisierte dänische Ferkelherstellung zu einem regen Hin und Her zwischen Zucht-, Vermehrungs-, Produktions- und Mastbetrieben. Und jeder Transport birgt ein Infektionsrisiko.

Die größte Sorge der vom freien Verkehr der Ware Schwein abhängigen dänischen Industrie ist ein Transportverbot, das einem Ausbruch folgen würde. Niemand würde mehr dänische Schweine kaufen. So lange nicht, bis von dort keine Gefahr mehr ausgeht. Und das kann dauern: Bislang hat nur Tschechien seinen ASP-Ausbruch unter Kontrolle bekommen. In den anderen Ländern wütet die Seuche allen Eindämmungsversuchen zum Trotz.

Gegen einen dänischen Schweinepestzaun spricht manches. Zum Beispiel würde er, befürchten Umweltschützer, auch seltene Arten wie Wolf, Otter und Goldschakal am Grenzübertritt hindern. Das überzeugendste Argument aber lautet: Der Zaun nützt nicht viel. Weil Personen und Waren weiter auf Achse sind, braucht der Zaun zahllose Lücken, die schlaue Wildschweine finden und nutzen. Im Übrigen sind es leider wir Menschen, die die Seuche über größere Strecken verschleppen. Wir schaffen Fleisch und Wurst über die Grenzen und werfen weg, was wir nicht mehr essen. Wir verstoßen gegen Hygienevorschriften. Wir schludern beim Tiertransport.

Zäune sind Symbole, und deshalb lieben Politiker sie. Der dänische Zaun demonstriert, dass hier einer durchgreift, Grenzen zieht, Kante zeigt. Und er verdeckt, dass diese Politiker insbesondere eins nicht wollen: den Zusammenhang zwischen Schweinepest und industrieller Fleischproduktion sehen und knacken.