Diese Adidas-Schuhe habe ich 1982 in New York gekauft. Man nannte sie dort Ädaidäs boxing boots. Da ich durchs Leben tänzeln wollte, brauchte ich unbedingt dafür diese Stiefel mit hauchdünner Sohle, die eigentlich nur für den Ring gedacht sind und unter denen man auf der Straße jeden kleinen Stein spürt.

Es gab sie nur in einem Laden für Boxerbedarf. Ich weiß noch, wie ich ihn entdeckte, an einem sehr heißen Tag im August, einem sogenannten Hundstag, a dog day, der unangenehme Teil des Sommers in New York. Ich war schweißdurchnässt, und in dem Laden war es angenehm kühl. Schwere Jungs probierten gelangweilt Boxhandschuhe aus und beäugten mich misstrauisch bis amüsiert. Ich erklärte schüchtern, ich wolle unbedingt Boxerschuhe tragen wie sie, und hatte doch von Boxen keine Ahnung.

Mir fiel ein, dass ich gut zehn Jahre zuvor in Hannover mitten in der Nacht aufgestanden war, um den Jahrhundertkampf zwischen Joe Frazier und Muhammad Ali im Radio mitzuverfolgen. Das war eine Idee meiner Freundin gewesen, die der Meinung war, man könne damit Eindruck bei den Jungs schinden. So war es jetzt auch, nur eben ein paar Jahre später. Dazu kam die Tatsache, dass ich aus dem Land von Ädaidäs kam, das gab den Ausschlag. Rührend suchten sie nun nach der passenden Größe für mich, die sonst höchstens von Fliegengewichten getragen wird, wie sie mir erklärten. Ich bekam also meine Boxerstiefel und trug sie jahrelang fast jeden Tag, selbst im Winter, zum Arbeiten und zum Tanzen, für den Alltag und für fein.

Ich fühlte mich schnell und leicht mit ihnen, ich hatte das Gefühl, in meinem eigenen Leben herumtänzeln zu können, so zu tun, als würde ich zuschlagen, um dann abzuhauen. Dazu kaufte ich mir damals noch einen lila Boxermantel aus 100 Prozent Plastikseide, weil auf der Brust der Schriftzug "Everlast" prangte. Unwiderstehlich: die schnellen Stiefel und das Motto "hält ewig" als Rüstung. Beides hab ich immer noch, nur lege ich diese Rüstung nicht mehr so häufig an.