Als ich diese Serie begann, ging es darum, Life-Hacks zu finden, die das Leben verbessern, Überlebenstricks für den Alltag. Ich stellte mein Smartphone-Bildschirm grau, um nicht mehr davon abgelenkt zu werden; oder reduzierte die Kleidung in meinem Schrank, um weniger Auswahl und so weniger Stress zu haben. Manche Kollegen machten es mir sogar nach. Das fand ich gut. Ich mochte das Gefühl, Vorreiter zu sein. Fühlte sich richtig an.

Dann erzählte mir eine Freundin, die damals bei einem Mode-Start-up in Berlin arbeitete, vom sogenannten Bulletproof Coffee. Eigentlich nichts Besonderes. Das ist ein Kaffee mit Butter und Kokosöl, den man morgens anstelle des Frühstücks zu sich nimmt. Klingt seltsam, gibt aber angeblich total viel Energie (wichtig im Start-up-Kontext) und hilft beim Abnehmen (wichtig im Mode-Kontext). Aber es steckte natürlich viel mehr dahinter. Der Erfinder des Ganzen, der Silicon-Valley-Unternehmer Dave Asprey, ist ein sogenannter Bio-Hacker. Ich gab den Begriff bei Google ein und erkannte, wie profan meine bisherigen Lebensverbesserungsversuche waren.

Bio-Hacking, so konnte ich dort lesen, geht einfach tiefer. Statt wie Life-Hacker die Umwelt zu verändern, versuchen Bio-Hacker, gezielt die eigene Biologie zu beeinflussen, um sich besser zu fühlen, besser zu performen, einfach besser zu sein. Sie wollen das System Mensch hacken. Manche durch Technik, andere durch Ernährung. Das Ziel ist es, Zitat Asprey, "die beste Version unser selbst zu werden". Seine Firma hat er übrigens Bulletproof (Kugelsicher) genannt, weil Superman kugelsicher ist und Asprey glaubt, dass jeder von uns einen Superman in sich hat. Man muss ihn nur raushacken.

Asprey hat zu diesem Zweck eine ganze Diät entworfen (die Bulletproof Diät), deren Grundstein der Bulletproof-Coffee ist. Zwei Versprechen sind damit verbunden: Man verwandle seinen Körper in eine "Fett-Verbrennungs-Maschine", und man erlange besseren "mentalen Fokus".

Wie das funktioniert, wird so erklärt: Durch das viele Fett und das Weglassen von Kohlenhydraten (der sättigende Effekt des Butter-Kaffees hilft dabei) soll der Körper dauerhaft in einen Stoffwechselmodus versetzt werden, in dem er nicht mehr auf Glucose, also Kohlenhydrate, als Energielieferant zugreift, sondern auf die Fettreserven des Körpers. Das Ganze ist auch als Keto- oder Ketogene Diät bekannt.

Und für die erhöhte Hirn-Power spielt das Kokosöl eine entscheidende Rolle. Das besteht aus sogenannten mittelkettigen Fettsäuren (MCT-Fette), die sind besonders löslich, sodass der Körper sie extraschnell in Energie umwandeln kann. Das Benzin kommt also schneller in den Motor. Mit dem Effekt, dass man sich fitter fühlt. Ob das jetzt alles biologisch stimmt, ist schwer zu sagen. Aus journalistischer Sorgfaltspflicht habe ich dem Freund von der Schwester meiner Freundin davon erzählt. Der ist Arzt. Also Medizinstudent. Seine Reaktion war: "Klingt logisch." Ich vertraue ihm.

Zur Anwendung: Wenn es nach dem Erfinder geht, soll man für die ganze Sache nur Produkte von Dave Aspreys Bulletproof-Firma nehmen, weil sie den besseren Kaffee hat (frei von microtoxins) und statt Kokos- reines MCT-Öl benutzt (genannt: brain octane). Ein kurzer Blick ins Netz zeigt, dass sich kaum jemand daran hält. Ich habe also jeden Morgen Kaffee, einen Löffel Butter und einen Löffel Kokosöl in meinen Mixer geschüttet, heraus kam eine hellbraune, fettige, schaumige Flüssigkeit.

Die erste Erkenntnis des Projekts war: Es schmeckt gar nicht so schlecht. Aber welches Nahrungsmittel wird durch die Zugabe von Butter nicht besser? Er war allerdings sehr deftig, Hunger hatte ich bis zum Mittagessen kaum. Erkenntnis Nummer zwei: Ich nahm ab. Nicht viel. Aber schon ein bisschen. Leider kann ich nicht sagen, ob es daran lag, dass ich meinen Stoffwechsel gehackt hatte, oder daran, dass ich weniger aß. So oder so – das Ergebnis ist dasselbe. Dritte Erkenntnis: Ja, meine Konzentration wurde irgendwie besser. Was natürlich auch am Fasten liegen konnte, das ähnliche Effekte hat (siehe Folge 2). Allerdings war mir manchmal auch etwas flau im Magen.

Ich war aber auf jeden Fall zufrieden mit mir und meiner Leistung im Büro. Ich würde nicht von Superman sprechen, aber in Personalgesprächen bekam ich schon positives Feedback. Zur Sicherheit störte ich aber doch noch einen Kollegen bei der Arbeit und fragte ihn geradeheraus, ob ihm in letzter Zeit etwas an mir aufgefallen sei?

Kopfschütteln.

"Mehr Fokus zum Beispiel?", half ich nach. Der Kollege sagte, er habe nichts bemerkt. "Wird aber sicher stimmen", fügte er hinzu.

Der macht das auch bald, dachte ich.