Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Wir leben in einer Welt, in der offenbar bereits alles gesagt worden ist. Daher drängt es viele, bemüht originelle Aussagen an den Mann zu bringen. Das ist menschlich verständlich und amüsant zugleich. Politikberater scheinen für diese Disziplin prädestiniert. Der Sozialphilosoph Jürgen Habermas definierte diesen Job sinngemäß einmal so: ein Experte, der den Forschungsprozess in die Richtung praktischer Fragen lenken soll. Nun kann die Praxis leider allzu oft überprüft werden. Wenn also ein Politikberater mitten in der Saure-Gurken-Zeit der Wiener SPÖ Law-and-Order-Politik unterstellt, ist man gut beraten ratlos zu sein. Der Vorwurf bezieht sich auf das Alkoholverbot am Praterstern sowie das Essensverbot in der U-Bahn. Seine Mahlzeiten nicht in öffentlichen Räumen einzunehmen, außer an den dafür vorgesehenen Orten, ist schlicht eine Frage der Rücksicht. Hier wird also nur ein Law, also eine Regel aufgestellt, die freiwillig wahrscheinlich niemand einhalten würde. Und das ist nicht in Order. Wer berät eigentlich die Berater? Auch politische Journalisten lassen sich in dieser Sportart nicht lumpen. Man erinnere sich nur an die Prognosen der Fachleute vor den Wahlen in der Türkei oder in Ungarn. Stets wurde prophezeit, die Mehrheit für Recep Tayyip Erdoğan oder für Viktor Orbán würde bröckeln. Was sich als reines Wunschdenken herausstellte. Vielleicht aber stecken hinter diesen Expertisen Kunstprojekte, die durch irritierende Thesen die ermattete Intelligenz provozieren sollen. Und am Ende gibt es ein aufgeklärtes Volk, das der Überzeugung ist, Erdoğan und Orbán hätten tatsächlich verloren. Manchmal werden Dinge wahr, wenn man sie nur oft genug wiederholt. Das wäre dann auf alle Fälle einmal so, als würden Law and Order herrschen.