Die Macht liegt in ihrem Portemonnaie, und sie können sie tagtäglich ausspielen: in der Migros, im Coop oder bei einem der deutschen Discounter. Im Restaurant, der Kantine oder am Kebab-Stand. Als Konsumenten bestimmen die Schweizer, was auf ihren Tellern landet und wie das Kalb für ihr Geschnetzeltes gehalten oder die Kartoffel für ihre Rösti angebaut wurde. Tierfreundlich, nach Bio- und Fairtrade-Richtlinien produziert – oder halt nicht.

Nun aber, so scheint es, haben die Schweizer das Vertrauen in ihre persönliche Marktmacht verloren. Sie wollen, dass der Staat stärker bestimmt, welche Produkte künftig in den Supermarktregalen stehen. Und unter welchen Bedingungen diese hergestellt werden sollen.

Gleich sechs Volksinitiativen, die sich mit der Frage nach der richtigen Ernährung und der künftigen Landwirtschaft in der Schweiz beschäftigen, sind zurzeit hängig, oder es werden dafür Unterschriften gesammelt.

Sie stellen Bertolt Brecht auf den Kopf: Erst die Moral, dann das Fressen.

Die Fairfood-Initiative will, dass der Bund für ein größeres Angebot an Lebensmitteln sorgt, die "umwelt- und ressourcenschonend, tierfreundlich und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden". Egal, ob sie im In- oder Ausland produziert wurden.

Die Initiative der Bauerngewerkschaft Uniterre will, dass sich die Schweizer größtenteils von inländischen Produkten ernähren. Sie fordert deshalb unter anderem vom Staat, er soll dafür sorgen, dass wieder mehr Personen in der Landwirtschaft arbeiten.

Die Hornkuh-Initiative verlangt, dass Halter von Kühen, Stieren, Ziegen und -böcken vom Staat nur dann finanziell unterstützt werden, wenn die ausgewachsenen Tiere Hörner tragen.

Die Trinkwasser-Initiative möchte, dass Bauern nur noch Direktzahlungen vom Bund erhalten, wenn sie auf ihren Feldern auf Pestizide und in ihren Ställen auf Antibiotika verzichten.

Die Pestizid-Initiative will den Einsatz von synthetischen Pestiziden schlicht verbieten.

Und die Massentierhaltungs-Initiative schließlich schreibt "die Würde des Tieres in der landwirtschaftlichen Tierhaltung" in der Bundesverfassung fest. Gleichzeitig soll der Import von Billigfleisch verboten werden, und langfristig wollen die Initianten die Nutztierhaltung gleich ganz abschaffen.