Es gibt Seehasen, Seekühe, Seelöwen und Seepferdchen, und selbstverständlich erübrigt sich der Hinweis, dass sie allesamt nichts mit Hasen, Kühen, Löwen oder Pferden zu tun haben. Die Vorsilbe "See-" entspricht offensichtlich den gekreuzten Fingern beim Schwur oder dem logischen Zeichen für eine Negation. Seekuh bedeutet Nicht-Kuh, und selbst Seegras ist ein Nicht-Gras, auch wenn es in seiner Gestalt gewisse Ähnlichkeiten mit den Gräsern zu Lande aufweisen mag. Diese Beobachtung ist insofern delikat, als sie unweigerlich die Aufmerksamkeit auf den Seehofer lenkt, ohne indes viel zur Klärung von dessen Identität beitragen zu können. Ist Seehofer einfach, im Sinne des Gesagten, ein Nicht-Hofer? Das wäre womöglich zu viel der Negation, jedenfalls wenn man bei Hofer an den gescheiterten österreichischen Präsidentschaftskandidaten der FPÖ denken wollte, der bekanntlich gleichfalls als Freund populistischer Parolen aufgetreten ist. Aber am besten denkt man bei einem Hofer an gar keine näher bestimmte Person, und also ist auch die Negation des Nicht-näher-Bestimmten etwas Nicht-Bestimmtes, ein Seehofer mithin nur der Name einer Leerstelle oder einer mathematischen Variablen x, von der lediglich bekannt ist, dass sie nicht gleich y sein kann. Der deutschen Kanzlerin, die als Physikerin im Umgang mit Formeln geübt ist, wird dieser Umstand nicht verborgen geblieben sein; sie wird deshalb nahegelegt haben, in politischen Berechnungen den Faktor x kurzerhand mit null anzusetzen. Aber das ist wahrscheinlich ein Fehler. Immerhin scheint sie schließlich doch eine Brücke zur CSU hinübergeschlagen zu haben, keine bloße Seebrücke (die nichts verbindet, sondern bloß ins Meer hinausgebaut ist – vielleicht in das Meer, in dem Flüchtlinge ertrinken?). Aber natürlich gibt es Leute, die ihr und den Unionsparteien das christlich verbindende Brückenbauen nicht zutrauen und statt von CDU und CSU lieber von SeeDU und SeeSu sprechen würden, wozu im Übrigen nicht viel mehr als ein maliziöses Lispeln nötig wäre. Verhängnisvoller verhält es sich mit den Einschränkungen des Seerechts und seiner Verpflichtung, Ertrinkende zu retten – das Seerecht könnte sich in ein Nicht-Recht verwandeln, so wie ja auch schon die ganze Seenot bestritten und zur Nicht-Not erklärt worden ist. Letzteres wäre allerdings kein Seefehler, sondern ein echter Sehfehler. Für die von ihm betroffenen Politiker wäre der Stern von Bethlehem auch nur ein – Seestern. FINIS