Am Ende ist alles fast wie am Anfang: CDU und AfD finden, Olaf Scholz und die Rote Flora sind schuld. Die Linke ist überzeugt, Scholz und die Polizei sind schuld. Die SPD betont, so schlecht sei es doch gar nicht gelaufen, und die Grünen knirschen so laut mit den Zähnen, dass es bitte jeder mitbekommt, aber der Senat nicht düpiert wird, man hängt ja an der Koalition.

Nur in einem sind sich so gut wie alle einig: Der Sonderausschuss "Gewalttätige Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel in Hamburg" war kein Erfolg. In 15 langen Sitzungen haben die 19 Abgeordneten Verantwortliche, Bürger und Beobachter befragt, was rund um das Treffen der Staatschefs vor einem Jahr schiefgelaufen ist. Nach der letzten Sitzung ist klar: Eine gemeinsame Erklärung haben sie nicht gefunden, in den kommenden Wochen werden die Fraktionen ihre Erkenntnisse getrennt zusammenfassen.

Viel Neues ist dabei nicht zu erwarten – das liegt allerdings nicht an den Erkenntnissen, die der Ausschuss produziert hat. Die Bürgerschaft hat sich bei der G20-Aufklärung von ihrer schwächsten Seite gezeigt. Von Anfang an schien es den Parteien mehr um Bestätigung der eigenen (Vor-)Urteile zu gehen als um Aufklärung. Die nun geäußerte Enttäuschung wirkt eher wie eine Kapitulation vor der Komplexität der Realität. Das kollektive und von vielen Beobachtern geteilte Jammern über zähe Sitzungen mit wenig griffigen Ergebnissen zeigt vor allem eine schräge Sicht auf Aufklärung.

Wer die im Internet veröffentlichten Protokolle liest, erfährt, warum welcher Verantwortliche wann welche Entscheidung traf. Die vielen Hundert Seiten zeigen, warum es keine einfachen Lageeinschätzungen gibt; wie schwer ein Einsatz mit 31.000 Polizisten zu überblicken ist; warum sich die Situation hochschaukeln konnte. Der Ausschuss hat Antworten geliefert. Die bittere Wahrheit ist, dass viele kleine Fehleinschätzungen sich addiert haben. Eines lieferte der Ausschuss deshalb nicht: einen einzigen Schuldigen.