Markus Hörwick hat das Gasthaus ausgesucht: Gut Kaltenbrunn, Blick auf den Tegernsee. Uli Hoeneß wohnt in der Nähe, auch Philipp Lahm und Manuel Neuer. Hörwick ist nach wie vor am Stadtrand von München zu Hause. Wenn er es einrichten kann, fährt er raus, schwärmt von diesem Blick. Weit weg scheint dann sein erstes Leben. Hörwick wirkt nicht mehr so getrieben wie in all den Jahren, in denen er den FC Bayern bewachte. Es habe eine Trennung im Guten gegeben, sagt er.

DIE ZEIT: Sie standen 35 Jahre in Diensten des FC Bayern München. Waren der erste Pressesprecher eines Vereins in der Bundesliga. Vor zwei Jahren haben Sie Ihren Schreibtisch geräumt. Gab es eigentlich eine Abschiedsfeier?

Markus Hörwick: Ja, es gab zusammen mit Matthias Sammer ein Vorstandsessen.

ZEIT: Ein Geschenk?

Hörwick: Eine schöne Uhr.

ZEIT: Man sieht sich ja immer zweimal im Leben. Heute sind Sie Medien- und PR-Berater unter anderem von Dieter Hecking, dem Mönchengladbacher Trainer, und von Niko Kovač, dem neuen Bayern-Trainer. Haben Sie Kovač geraten, zu den Bayern zu gehen, haben Sie ihm Mut gemacht?

Hörwick: Ja, das schon. Aber ansonsten hatte ich mit diesem Wechsel nichts zu tun. Der Verein war ohne mein Zutun überzeugt, dass Niko einen guten Job macht. Und seine Handynummer brauchten sie auch nicht von mir.

ZEIT: Wie sorgen Sie denn für einen Klienten?

Hörwick: Ich helfe ihm, sich medial richtig aufzustellen. Ich kümmere mich um seine öffentliche Darstellung, bereite ihn auf Interviews und Pressekonferenzen vor. Damit am Ende Vereine wie zum Beispiel auch Bayern München sehen, das ist ein guter Typ, eine Persönlichkeit. Ich rede niemandem in seine Taktik rein, aber ich kann auch helfen, was Teamführung betrifft.

ZEIT: Sie haben den Trainern des FC Bayern in den vergangenen Jahrzehnten einiges abgeguckt?

Hörwick: Ja, allen. Mich hat immer interessiert, wie es ein Trainer macht, 24 Einzelkämpfer, 24 Egos und wahrscheinlich auch 24 Millionäre unter einen Hut zu kriegen. Wie schafft er es, eine solche Gruppe, Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen, wieder und wieder zu Höchstleistungen zu motivieren? Felix Magath hat das mit Druck gemacht und hat damit Erfolg gehabt. In dessen Trainerzeit ist jeder Spieler an die Säbener Straße gekommen und hatte Angst, Fehler zu machen. Das versetzte die Mannschaft permanent in höchste Konzentration. Es gab die großartigen Menschenfänger Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes. Es gab das Genie, den charismatischen Pep Guardiola, der visionärste und faszinierendste Trainer, den wir bei den Bayern je hatten ...

ZEIT: ... aber er hat es nicht ins Champions-League-Finale geschafft.

Hörwick: Richtig, obwohl er die beste Mannschaft besaß, die Bayern je aufbieten konnte.

ZEIT: Warum waren Hitzfeld und Heynckes also erfolgreicher?

Hörwick: Teamführung, Menschlichkeit und Empathie geben den Ausschlag, diese Fähigkeiten machen den Unterschied. Da waren Hitzfeld und Heynckes unerreicht. Bei entscheidenden Gelegenheiten im Jahr waren die Spieler und der gesamte staff bereit, für diese beiden durchs Feuer zu gehen. Guardiola ist ein junger Trainer, das vergisst man leicht. Er hat viele Visionen, andere Fähigkeiten werden noch dazukommen.

ZEIT: Lassen Sie uns über die anderen Trainer sprechen. Otto Rehhagel?

Hörwick: Eine einfache Idee von Franz Beckenbauer, unserem damaligen Präsidenten. Der beste Trainer und die beste Mannschaft. Aber es klappte nicht. Rehhagel wollte nur mit Beckenbauer reden, andere Gesprächspartner lehnte er ab.

ZEIT: Giovanni Trapattoni, der so wütend auf die Spieler war?

Hörwick: Flasche leer? Schon drei Tage zuvor hatte er aus Versehen eine volle Flasche Rotwein über Uli Hoeneß ausgekippt. Wir hätten gewarnt sein müssen.

ZEIT: Jürgen Klinsmann?

Hörwick: Im Jahr vor Klinsmann hat der FC Bayern das Double gewonnen, mit ihm gar nichts und nach ihm sofort wieder das Double, ich glaube, das sagt alles. Er wollte im Verein alles ändern, das tut man nicht. Aber irgendwann hat man das erkannt und die Reißleine gezogen.