Wenn dereinst die Außerirdischen zufällig ausgerechnet in Deutschland gelandet sein werden und dort die Geister der letzten Leute holografisch hochbeschwören, um von denen zu erfahren, wie diese so schöne blaue Erde eigentlich so jämmerlich zuschanden kommen konnte, dann werden, glaube ich, die Geister blinzeln und in etwa das Folgende erklären müssen: "Schaut mal, Alienz, grundsätzlich hatte niemand ein Problem damit, ein guter Mensch zu sein, im Grunde unseres Herzens waren wir alle ohne Tadel. Aber dann sah man nach dem beschlossenen Flugverzicht die Urlaubsfotos der Freunde und kam ins Überlegen und ließ ein Like da. Dann ging man nach dem vegetarischen Einkauf am überfüllten McDonald’s vorbei und beobachtete die Menschen, wie sie in Burger bissen.

Und da dachte man sich: Es ist doch alles wurst, was man sich da an Verzicht abringt zum Wohle des Planeten und der Mitmenschen. Das machen die anderen mit ihrem Verhalten sogleich zur Makulatur." So wird vielleicht der Geist eines urbanen jungen Mannes mit Rauschebart und Skateboard reden, und die übrigen Geister werden dazu nicken.

"Schon allein die Chinesen", könnte dann der Geist eines europäischen Babyboomers in Anzug zu bedenken geben, und dieser Geist wird wie schon zu Lebzeiten noch immer der diskussionswürdigen Auffassung sein, als Geschäftsmann vieles verstanden zu haben. "Und die Inder! Wie viele es von denen überhaupt gab, die waren ja jeweils über eine Milliarde, und die wollten ja auch alle noch teilhaben an der Welt des Konsums, die wollten auch alle iPhones haben, Kraftwerke bauen, mal in den Urlaub fliegen." – "Und", wird seine zweite Frau ihm korrekt beispringen, "wer waren wir, uns darüber zu empören?"

Wieso, werden die Geister dann nacheinander sagen, auf das kleine Autochen verzichten, wenn die Nachbarn gleich zwei SUVs hatten, und außerdem, damals war Trump in Amerika, nicht wahr, und die CDU und die SPD kippten so nebenbei die Klimaziele, und das ist allen egal gewesen, und die Grünen dümpelten bei den ewigen Circazehnprozent!

"Die Sommer wurden immer heißer, da haben wir auch mal drüber diskutiert, ob das jetzt schon der Klimawandel ist", wird der Babyboomer ärgerlich sagen. "Aber am Ende dachte man halt: Es ist egal, was man tut, es bringt ja nichts oder, äh, ändert nur wenig", wobei er an dieser Stelle einen hilfesuchenden Blick in die Runde werfen wird, nur um zu schließen: "Ich hatte mein schlechtes Gewissen jedenfalls guten Gewissens!"

Keine Ahnung, was die Außerirdischen – mutmaßlich eine der menschlichen weit überlegene Zivilisation – dazu sagen werden. Könnte sein, dass die das eher schwach finden werden insgesamt und die Hologramme wieder ausmachen, weil die nichts Interessanteres erzählen können.

Zwei Außerirdische, ein erfahrener und ein ganz junger Weltraumreisender, werden aber noch einen Spaziergang machen durch die Ruinen von Braunschweig, ein paar neue Kakerlakensorten einsammeln für die heimischen Zoologen und sich dabei unterhalten in der Außerirdischensprache.

"Die Menschen haben das Henne-Ei-Problem nicht überwinden können", wird der Erfahrenere sagen. "Das ist ein Klassiker. Kommt erst das moralische Individuum oder die moralische Gesellschaft?" – "Welche Antwort", wird der Jüngere fragen, "hat denn unsere außerirdische Gesellschaft gefunden?" Der Erfahrenere wird ihn entgeistert anschauen, den Gedanken an die schlechter werdenden Alien-Schulen wegschieben und sagen: "Wie jeder weiß, kommt stets zuerst das Huhn."