Keine Ahnung, was das heißen soll. Den Untertitel, ja, den verstehe ich. Aber was heißt Pape Satàn? Der Papst als Teufel? Das würde mir gefallen, ist aber in keiner Sprache so sagbar.

Eco schöpft aus seiner Bildung, auch für das Unsagbare: Pape Satàn Aleppe – so hieß im Original das von Burkhart Kroeber übersetzte, zusammengestellte und eingerichtete Buch, in dem Eco aufklärt: "Der Haupttitel ist ein Zitat aus Dantes Göttlicher Komödie, und obwohl Scharen von Interpreten versucht haben, diesen Worten einen Sinn abzugewinnen, sind die meisten zu dem Ergebnis gekommen, dass sie keinen präzisen Sinn haben."

Diesen Mangel an präzisem Sinn, "diesen Ausdruck für jede Teufelei", dehnt Eco auf die "geistige Situation der Zeit" aus. Sein Buch sei ein "Sammelsurium", weniger aus seiner Schuld, sondern der "Zeitläufte" wegen, in denen ein Sammelsurium, "das vom Hundertsten ins Tausendste kommt", die Flüssigkeit der vergangenen Jahre "gut widerspiegelt".

Was wird widergespiegelt? "Nicht nur der Einzelne, sondern die ganze Gesellschaft lebt heute in einem kontinuierlichen Prekarisierungsprozess." Ich glaube, das betrifft auch die Philosophie. In einem Gespräch hat Eco behauptet, die Philosophie müsse aufhören, das Große und Ganze zu verhandeln, denn das rücke sie nahe an die Verschwörungstheorie heran. Ecos Glossenform, in der Gott und die Welt abgehandelt werden, nimmt die Philosophie so prekär, wie sie ist. Er schreibt in einem Stil, der manchmal irrlichtert und manchmal notwendiges Licht wirft auf irritierende Phänomene.

Ein Thema, das bei Eco oft wiederkehrt, ist das Verhältnis von Fiktion und Wahrheit. Nach dem Bataclan-Attentat bemerkt er, dass die Adresse des Pariser Konzertsaals der Boulevard Richard Lenoir ist. "Da wohnte doch Kommissar Maigret!", ruft Eco aus. "Man wird jetzt sagen, das ist nicht erlaubt, angesichts so schrecklich ›realer‹ Ereignisse fiktive Personen ins Spiel zu bringen. Doch sie gehören dazu ... Paris ist genau deshalb die geistige Heimat sehr vieler von uns, weil die reale und die fiktive Stadt in unserem Gedächtnis verschmolzen sind, als ob sie beide zu uns gehörten ..."

Andererseits diskutiert Eco die Blödheit, die aufgrund solcher Imaginationen passieren. In Großbritannien soll ein Viertel der Bevölkerung glauben, "Churchill sei eine fiktive Figur", während man Sherlock Holmes für "real" hält. Das Vorbild für Robin Hood existierte – das Einzige, was ihn "irreal" mache, sei der Umstand, "dass man zur Zeit der Feudalwirtschaft die Reichen beraubte, um den Armen zu geben, während man seit dem Aufkommen der Marktwirtschaft die Armen beraubt, um den Reichen zu geben".

Umberto Eco: Pape Satàn
Chroniken einer flüssigen Gesellschaft oder Die Kunst, die Welt zu verstehen; dtv, München 2018; 319 S., 10,90 €, als E-Book 10,90 €