JNBY? GES2? Nein, es handelt sich nicht um chemische Formeln, sondern um die Kürzel für zwei neue Privatmuseen. Beide sollen im kommenden Jahr eröffnen, eines in der chinesischen Hafenstadt Guangzhou, das andere in Moskau. Das JNBY Art Center hat die chinesische Modedesignerin und Sammlerin Li Lin gegründet, deren Marke Just Naturally Be Yourself (JNBY) in über 700 Läden rund um den Globus erfolgreich ist. GES2 war früher der Name eines Moskauer Elektrizitätswerks, das der italienische Architekt Renzo Piano gerade zum Museum umbaut, im Auftrag der V-A-C-Stiftung des Unternehmers und reichsten Manns Russlands, Leonid Mikhelson.

Die Projekte in Guangzhou und Moskau sind nur zwei von vielen aktuellen Initiativen privater Sammler. Bereits im Herbst dieses Jahres wollen James Tomilson Hill, der Vizepräsident der US-Investmentgesellschaft Blackstone, und seine Frau Janine in Manhattan Kunstwerke ihrer Hill Art Foundation Chelsea zugänglich machen. Dazu zählen nicht nur 34 Bronzeskulpturen aus der Renaissance und dem Barock, sondern auch moderne Werke von Christopher Wool, Andy Warhol und Francis Bacon.

Auch in Bangladesch wird bald ein Privatmuseum eingeweiht: Der Unternehmer Rajeeb Samdani kündigte an, gemeinsam mit seiner Frau Nadia das Srihatta-Samedani Art Centre in der Stadt Sylhet zu eröffnen. Auch der Bangkoker Universitätspräsident Petch Osathanugrah wird seine Kunstsammlung öffentlich zugänglich machen, während der französische Unternehmer François Pinault nach seinen beiden Ausstellungshäusern in Venedig zusätzlich noch die Pinault Collection in der restaurierten Pariser Börse eröffnet. Auf der ganzen Welt investieren die Superreichen und Mäzene derzeit Millionen, um ihre Kunstschätze zu zeigen.

"Man kann von einem Boom sprechen", sagt die Schweizer Sammlerin und Verlegerin Cristina Bechtler, die vor zehn Jahren in der Schweizer Gemeinde Zuoz ein Forum für Künstler, Architekten, Wissenschaftler, Literaten und Designer gründete – die Engadin Art Talks (E. A. T.). Bechtler ist überzeugt, dass das Engagement der Einzelnen auf ganze Regionen in den verschiedenen Ländern ausstrahlt: "Private Museen und Stiftungen spielen nicht nur für den Kunstmarkt und die Szene eine zunehmend wichtigere Rolle, sie definieren inzwischen auch die Kultur einer Region entscheidend mit."

Ein besonders kühnes Beispiel dafür ist die Sammlerin Maja Hoffmann, Schweizer Teilerbin des Basler Pharmakonzerns Hoffmann-La Roche. Mit ihrer Luma Stiftung entwickelt sie im französischen Arles das derzeit größte europäische Kunstprojekt: Ein riesiges, stillgelegtes Reparaturwerk der französischen Bahn verwandelt sie in ein Thinktank-Areal aus Museen, Theater, Verlag, Ateliers, Werkstätten, Ökolaboratorien, Event- und Konferenzhallen. Das vor wenigen Wochen eröffnete Areal soll ebenso der Kunst wie der Innovation, dem Umweltschutz und den Menschenrechten dienen. Hunderte von Millionen Euro kostet das Projekt, an dem auch Annabelle Selldorf, Architektin zahlreicher Stargaleristen und Sammler, mitwirkt. Ein besonderes Wahrzeichen, das auf dem Gelände entsteht, wird ein von Frank Gehry gestalteter "Turm der Ressourcen" sein. Und auch ein Luxushotel ist geplant. Ein Restaurant gibt es bereits, weitere sollen folgen. Ihre Vision beschreibt Hoffmann so: "Das lokale Leben zu verbessern und gleichzeitig Ideen zu liefern, die global sind."

Die Schweizerin kann als Pionierin einer Weltelite sehr vermögender Menschen gelten, die Luxus als ethische und intellektuelle Herausforderung begreifen. Jenseits der üblichen Charakterisierung von Luxus als ultrakostbarem Produkt setzen sie Kunst als Vehikel ein. Sie sehen ihre Kunst nicht allein als Investment, ein zweifellos wichtiger Aspekt ihrer Sammlungsstrategien. Sondern gleichzeitig als einen immateriellen, emotionalen, geistig-intellektuellen und ästhetischen Wert. Als ideelles Kapital. Ähnlich den Medici der Renaissance und anderen Fürsten und Päpsten, die in früheren Jahrhunderten, mit Geld, Bildung und Sinn für Schönheit ausgestattet, die Künstler ihrer Zeit förderten und so die westliche Kulturgeschichte formten, sehen sich reiche Privatsammler als Mitgestalter des künftigen Kulturerbes ihrer Ära.

Doch heute ist nicht Europa das Zentrum dieser Bewegung. Den Trend prägen vor allem Sammler des asiatischen Kontinents, die aus Korea, China und aus Ländern des Nahen Ostens stammen. Sie kennen das System öffentlicher Museumsförderung kaum. Sie müssen kein historisches Kulturgut bewahren und sind keinen Kontrollgremien verpflichtet. Sie sind nur durch ihre eigenen Budgets begrenzt, die in vielen Fällen schier unerschöpflich scheinen.