Liebe Stadtobere, glauben Sie ja nicht, die Bürger Hamburgs vergessen, was Sie einmal versprochen haben, oh nein: In dieser Stadt gibt es Menschen, die nachfragen. Etwa, was den Wallringtunnel in der City angeht, der ja letztens umgebaut wurde, wodurch die Verkehrsführung Richtung Dammtorbahnhof nun aus Autofahrersicht an das Durchgleiten eines Geburtskanals erinnert. Eine äußerst gelungene Anspielung an die Schöpfung, die es zu bewahren gilt, indem man etwa auf unnötige Autofahrten verzichtet. Allein, manchmal geht es nicht anders. Und in dem Fall will man als bewusster Motorist von heute nicht mit sinnlos blubbernder Maschine in irgendeinem Stau stehen, fluchen und schreien. Das Ideal des Autofahrers ist vielmehr das Dahingleiten knapp oberhalb der erlaubten Höchstgeschwindigkeit, jederzeit und ohne Hindernisse und Verzögerungen.

Zwar nicht Abhilfe, aber vielleicht Linderung, und sei es nur potenzieller Art, verspricht da der Verkehrsfunk. Hört man da auf dem Heimweg von einem plötzlichen Stau vor dem Elbtunnel, an den Elbbrücken oder in Eimsbüttel, so kann man, zumindest theoretisch, Tunnel, Brücken oder eben Eimsbüttel großräumig umfahren. Zugegeben: Lebt man dann ausgerechnet in Eimsbüttel, kann das zu anderen Problemen führen – doch bleiben wir beim Verkehrsfunk. Denn was den angeht, ist im Wallringtunnel tote Hose. Und nicht nur beim Verkehr. Auch Chartgedudel weicht kontemplativer Stille, nachdem man eingefahren ist. Es wurden schon Musikjunkies in tiefergelegten Karossen beobachtet, deren aus dem Fenster hängender, an der Autotür den Takt hämmernder Arm darob völlig aus dem Rhythmus geriet, die erst fassungslos auf ihr Radio einschlugen und dann begannen zu schluchzen. Ist das Funkloch womöglich ein von der Stadt verordneter Moment zwangsweiser Besinnung, um wenigstens an diesem einen Ort nachzudenken über alles , zurückgeworfen allein auf uns?

Nein, nur eine technische Lücke. Der wir an dieser Stelle im November 2016 schon nachgingen. Damals hieß es seitens der Verkehrsbehörde, nach Abschluss der Sanierung werde man dank einer neuen Tunnelfunkanlage auch wieder Radio hören können; vermutlich im Frühjahr 2018. Nun, auf Nachfrage eines aufgeweckten radioliebenden Lesers, verspricht Sprecher Christian Füldner den Anschluss bis "Ende des Jahres". Schade eigentlich.