Wir, die Mitglieder dieser Grand Jury, bitten Sie, uns zuzuhören. Wir wissen, einige von Ihnen haben schon einiges gehört. Gutachten über den sexuellen Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche gab es bereits. Doch noch nie in solchem Umfang. Viele von uns haben geglaubt, solche Geschichten geschähen anderswo, weit weg. Jetzt kennen wir die Wahrheit: Es geschah überall.

Wir hatten den Auftrag, den Kindesmissbrauch in sechs Bistümern zu ermitteln – in allen Bistümern des Staates Pennsylvania bis auf zwei, die zuvor überprüft worden waren. Wir haben die Aussagen Dutzender Zeugen über den sexuellen Missbrauch durch Kleriker gehört. Wir prüften eine halbe Million Seiten interner Dokumente der Diözesen. Sie enthielten glaubwürdige Anschuldigungen gegen mehr als dreihundert Priester-Täter. Mehr als tausend Kinder konnten wir aus kircheneigenen Akten als Opfer identifizieren. Wir glauben, dass die wahre Zahl – von Kindern, deren Akten verloren gingen oder die sich aus Angst nie offenbarten – in die Tausende geht.

Die meisten Opfer waren Jungen, aber es gab auch Mädchen. Manche waren Teenager, viele waren jünger. Manche wurden mit Alkohol und Pornografie manipuliert. Manche mussten ihre Peiniger masturbieren. Manche wurden oral vergewaltigt, manche vaginal, manche anal. Alle Verbrechen aber wurden weggewischt und abgetan, überall im Bundesstaat, und zwar durch Kirchenführer, denen der Schutz der Missbraucher und der Schutz der Institution über alles ging.

Die Folge der Vertuschungen: Fast alle Missbrauchstaten, die wir fanden, sind zu alt, um strafrechtlich verfolgt zu werden. Das heißt nicht, dass es keine Täter mehr gibt. Diese Grand Jury hat Klage eingereicht gegen einen Priester im Bistum Greensburg und einen im Bistum Erie, die in den letzten zehn Jahren Kinder sexuell belästigten. Wir erfuhren davon durch die Bistümer – was hoffentlich ein Zeichen dafür ist, dass die Kirche sich endlich ändert.

Trotzdem sind wir nicht zufrieden mit den wenigen Anklagen, die wir erheben können. Es deprimiert uns, dass so viele Delikte ungestraft und unentschädigt bleiben. Dieser Bericht ist unsere einzige Waffe. Wir nennen Namen und Taten – sowohl der Missbraucher als auch der Vertuscher. Wir bringen ihre Vergehen ans Licht, denn das sind wir den Opfern schuldig. Und wir geben Empfehlungen, wie die Gesetze sich ändern müssen, damit Gutachten wie dieses künftig unnötig sind.

Im ersten Teil des Berichts wird jedes einzelne Bistum durch mehrere Fallstudien beleuchtet, sie betreffen den Missbrauch ebenso wie den Umgang der Bistumsleitungen damit. Zwar hatte jeder Kirchenkreis seine Eigenarten, aber das Muster war stets dasselbe: Man half nicht den Kindern, sondern vermied den "Skandal". Das ist nicht unser Wort, sondern ihres; es taucht wieder und wieder in den Dokumenten auf. Klagen über Missbrauch wurden versteckt im "Geheimarchiv". Das ist nicht unser Wort, sondern ihres; der Codex Iuris Canonici der Kirche verlangt von den Diözesen, solch ein Archiv einzurichten. Nur der Bischof besitzt den Schlüssel dazu.

Die gängigen Vertuschungsstrategien waren dergestalt, dass sich sogar Profiler des Federal Bureau of Investigation damit befassten. So stellte uns das FBI Experten seines National Center for the Analysis of Violent Crime zurseite, die einen Großteil unseres Beweismaterials prüften. Die Special Agents belegten eine Reihe von Methoden, die in den Bistums-Akten immer wieder auftauchten. Sie wirken wie ein Regelwerk zur Vertuschung der Wahrheit:

Erstens, benutze Euphemismen zur Beschreibung sexueller Übergriffe. Sage nie "Vergewaltigung", sondern "unangemessener Kontakt" oder "Grenzüberschreitung".

Zweitens, lasse Nachforschungen nicht durch Profis anstellen, sondern beauftrage Mitglieder des Klerus, die Glaubwürdigkeit von Kollegen zu beurteilen, mit denen sie leben und arbeiten.

Drittens, um den Anschein von Unabhängigkeit zu wahren, schicke Priester zur "Untersuchung" in kirchliche Psychiatrie-Zentren. Lasse dort "diagnostizieren", ob der Priester pädophil ist, basierend vor allem auf seinen "Selbstauskünften" und unabhängig davon, ob er sexuelle Kontakte zu Kindern hatte.