Epen feierten ihn als gewaltigen Krieger, ein Papst verdammte ihn als ketzerischen Feind der Rechtgläubigen, und ein Kaiser verehrte ihn als Vorbild seiner eigenen Herrscherwürde. So ist sein Bild vielfach gebrochen, doch in groben Zügen historisch rekonstruierbar.

Der Sohn eines Stammesführers lebte zehn Jahre als Geisel in einer der immer noch glanzvollen Hauptstädte eines gespaltenen Weltreichs. Dann zog er mit seinem Volk nach Westen und mischte sich in die Kämpfe zwischen rivalisierenden Truppenführern ein. Der Herrscher, dem er und die Seinen als Verbündete unterstanden, schickte ihn – inzwischen zum Heerkönig seiner Krieger und zum Heermeister der regulären Armeen aufgestiegen – in den Krieg gegen einen zu mächtig gewordenen und selbstherrlichen Regenten. Nach langen, verlustreichen Schlachten besiegte er ihn und erschlug ihn eigenhändig bei einer Versöhnungsfeier.

Als Regent des neu gewonnenen Reichs und König seines Volkes übernahm er aus staatsmännischer Klugheit die Regierungsprinzipien seines besiegten Gegners. Er sah sich eingebunden in den Bauplan des alten Weltreichs, sorgte für die Herrschaft von Recht und Gesetz und verkündete die Freiheit des religiösen Bekenntnisses.

Nach dreißig Jahren Frieden sagte ihm sein eigener Schwager, ein Gegner seiner Bündnispolitik, den offenen Kampf an, dann stellte sich ein Teil des alten Adels gegen ihn, und schließlich wollte sein neuer Oberherr in der fernen Hauptstadt den selbstständig gewordenen Regenten loswerden. Sein Reich geriet ins Wanken, und sein Tod leitete den Untergang seines Volkes ein. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 34:

Caroline Link, geb. 1964, lebt mit ihrem Mann, dem Regisseur Dominik Graf, in München. Ihr dritter Film "Nirgendwo in Afrika" bekam 2003 den Oscar. Dann folgte 2008 "Im Winter ein Jahr". Zum Jahresende soll Links Adaption der Autobiografie von Hape Kerkeling anlaufen; aktuell verfilmt sie den Kinderbuchklassiker "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl"